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  • Hallo zusammen,

    meine Bienenkiste steht am Waldrand oberhalb einer großen ungenutzten Fläche. Ich schätze auf ca. 200qm. Zurzeit ist dort einfach eine Wiese, die zwar nicht gedüngt, aber alle vier Wochen von Besitzer gemäht wird. Als ich heute das Gelände betrat war ich wirklich betrübt: Die halb hohe Wiese mit Unmengen von Klee, Flockenblumen und Spitzwegerich ist einer kurzgeschorenen Grünfläche gewichen, auf der nur noch das Heu herumliegt...

    Also habe ich das Grundstück gepachtet.
    (Das ging wirklich so schnell :'D Ein Anruf beim Besitzer um zu fragen, ob man den so oft mähen müsste und zehn Minuten später hat er es mir für eine erstaunlich kleine Summe das Grundstück überlassen)

    Tja und jetzt weiß ich nicht so recht wie ich meinem Ziel eine Wildwiese entstehen zu lassen am besten erreiche. Das Kapitel der Wildwiesen im geposteten "Buch" von Bienenflug habe ich durchgelesen, jedoch wurde ich nicht so richtig schlau daraus. Mähen und Düngen werde ich an sofort nicht mehr, aber reicht das? Ich würde gerne Saatmischungen kaufen, aber um die Grasnarbe auf dem Gelände aufzureißen fehlt mir das Gerät und die Zeit. Einfach wachsen lassen werde ich jetzt erstmal machen, Klee und Spitzwegerich werden auch bald wieder da sein, allerdings will ich das Grundstück auch nicht von Brennessel und Co. überwuchern lassen.

    Hat jemand Erfahrungen damit und kann mir weiterhelfen? Auf der Seite der Mellifera Initiative "Blühende Landschaft" habe ich nur Anleitung gefunden, die das umgraben oder pflügen solcher Flächen vorsehen...

    Wäre allen Hilfe-leistenden sehr dankbar!

    Liebe Grüße
    Marten [Hinweis: martenbeck hat den Beitrag zuletzt am vor 1 Jahr, 10 Monaten geändert.]
    • Also nach langer Recherche habe ich nun einen groben Plan in Kopf...

      Die Wiese ist aktuell eine Feucht\Fettwiese. Allerdings liegen im nahem Umfeld viele artenreiche Feuchtwiesen, mit vielen Flockenbumen, Schaumkrauten, Klee, Pippau, Hahnenfuß und Schafsgabe, sodass ich glaube, die Wiese auf jeden Fall in eine artenreichere Wildwiese verwandeln zu können. Oder besser gesagt, dass die Natur das macht. Ich denke, dass wenn ich die Wiese jetzt einfach wachsen lassen würde, mit der Zeit hohe Gräser die tieferen Pflanzen verdrängen würden. Um das zu vermeiden und in ein oder zwei Jahren eine schöne Feuchtwiese zu haben dachte ich mir folgendes:

      Das noch liegende Heu in drei Tagen entfernen.
      Danach gründlich den fest verwachsenen Boden grob auflockern, um Samen der benachbarten Wiesen Keimgrund zu geben. Außerdem 1-3qm große "Inseln" schaffen, wo ich die Grasnarbe komplett abtrage. Auf einigen dieser "Inseln" möchte ich dann auch Wildwiesensaatgut aussäen. Dafür verwende ich natürlich nur Mischungen aus heimischen Pflanzen. In der Fachsprache nennt man das wohl "Impfen"..

      Mal schauen in es was wird :')
      Liebe Grüße
      Marten
      • Das hört sich doch gut an. Dein Ansatz, bei Mellifera zu suchen, ist auch richtig: Das Netzwerk blühende Landschaft bietet einen Sensenkurs an, und dort in den Beschreibungen finden sich schon angedeutet Erklärungen, dass man mit Sensen eine Wildblumenwiese schaffen kann ... schau da nochmal nach! Aber das Impfen scheint auch ne gute Idee zu sein. Bin gespannt, was du für Erfahrungen sammelst! Hier in der Gegend gibts zwar auch einige brachliegende Wiesen, aber die Eigentümer scheren sich keinen Deut um Nachhaltigkeit, sondern es muss alles schön grün und kurz sein.
          • Danke für die Antwort!
            Den Link kenne ich bereits und eine Sense habe ich mir schon besorgt, freue mich darauf das zu lernen smiley
            Für das Impfen ist es leider schon zu spät, aber nächstes Jahr wird das auf jeden Fall gemacht!
            Liebe Grüße
            Marten
            • Hm, ich finde heuer allerdings keinen Sensenkurs über die Seite mehr - muss ich mich wohl getäuscht haben. Aber so ein Kurs würde mich auch mal stark interessieren - inklusive Dengeln und Einrichten der Sense.
              • Hallo Bienen-Berti

                frage doch mal einen "älteren" Bauer - die können noch so was

                und sind bestimmt froh, wenn Nachwuchs so was lernen wollen

                Viele Grüße
                Drohn
                • Hallo Drohn,

                  das hab ich mir auch immer gewünscht, und da ich in einem beschaulichen Dörfchen wohne, hätte ich auch nie damit gerechnet, dass es da Schwierigkeiten geben könnte. Bisher hab ich noch keinen gefunden, der das kann. Aber so wäre es mir echt am liebsten.
                  • Hi Marten,

                    der Sensenpapst ist Bernhard Lehnert, und wenn Du schon eine Sense hast, ist sein Buch erstmal ausreichend für die ersten Versuche:

                      Bernhard Lehnert: Einfach mähen mit der Sense. Ökobuch 2008.
                    .
                    In seiner Sensenwerkstatt bekommt man alles rund um die Sense: einschließlich Beratung, telefonisch oder vor Ort: http://www.sensenwerkstatt.de/. Ein Besuch dort ist auf jeden Fall lohnenswert.

                    Auch seine Kurse sind absolut empfehlenswert, in diesem Jahr bietet er jedoch offenbar keine an. Sicher weiß er aber, wo es - vielleicht auch in Deiner Nähe - noch Kurse gibt.

                    Neben der richtigen Technik, die auch für Autodidakten gar nicht schwer zu erlernen ist, ist das A und O ein gescheites Sensenblatt. Das bekommst Du auf jeden Fall bei ihm, und da würde ich mich auch beraten lassen.

                    Gruß, Lucius.


                      Die Bienenhaltung [...] ist außerdem eine moralische Arbeit, da sie ablenkt von Kaffee und verrufenen Häusern und den Blick des Imkers auf das Beispiel der Arbeit, der Ordnung und der Hingabe an eine gemeinsame Sache lenkt.
                      (Abbé Warré)
                    • Hallo Marten,

                      ich versuche ebenfalls seit 2014, eine alte Streuobstwiese zu renaturieren.

                      Dabei gehe ich so vor:

                      Gemäht wird nur 2x im Jahr. Das erste Mal Ende Juni, dann noch mal Ende September.
                      Wichtig ist, dass das Schnittgut weggeräumt wird. Ich mache Heu, dass ich dann einem Bauern bzw anFreunde mit Kaninchen und so verschenke.
                      Auf diese Weise magert der Boden ab.
                      Zum Mähen benutze ich eine Sense oder wenn es schneller gehen soll die Motorsense. Zum Umgang mit der Handsense gibt es auch ein paar gute Videos bei Youtube. Einen Hochgrasmäher habe ich auch schon mal genutzt, das war aber nicht so gut, da ein Teil des Grases dann zerstückelt auf der Wiese zurückbleibt.
                      Um neue Blumenarten anzusiedeln, nutze ich dann die "Insellösung", also kleinere Flächen umgraben und einsäen. Zum Teil ziehe ich auch zuhause Samen in kleinen Töpfen vor, um sie dann später vor Ort auszupflanzen. Empfehlen kann ich die "Veitshöchheimer Bienenweide", erhältlich z.b. bei Saaten Zeller online.

                      Mir macht das Projekt "Wildblumenwiese/Streuobstwiese" sehr viel Spaß, auch wenn man für die Umwandlung einer Wiese in eine artenreiche Wildblumenwiese einen langen Atem braucht. Es ist herrlich zu sehen, wenn sich wieder eine neue Art etabliert hat.


                      Viele Grüße

                      Harry


                      Das ist mein Bestand 2017:

                      Gelb:
                      Rainfarn
                      Leinkraut
                      Johanniskraut
                      Gewöhnlicher Pastinak
                      Wiesen-Pippau?
                      Huflattich
                      Löwenzahn
                      Hufeisenklee
                      Hopfenklee
                      Färberkamille
                      Dill
                      Resede
                      Weißer Senf
                      Wundklee
                      Schlüsselblume
                      Winterling
                      Taschkentkrokus
                      Weinberg-Tulpe
                      Ringelblume

                      Weiß:
                      Schafgarbe
                      Wilde Möhre
                      Taubenkropf-Lichtnelke
                      Margerite
                      Buchweizen
                      Weißklee
                      Mehlige Königskerze
                      Spitzwegerich
                      Falsche Kamille
                      Busch-Windröschen
                      Waldmeister
                      Erdbeere
                      Skabiosenflockenblume weiße Blüte


                      Weiß-Violett:
                      Bunte Kronwicke

                      Lila:
                      Violetter Sommerwurz
                      Wiesenskabiose (Acker-Witwenblume)
                      Wiesenflockenblume
                      Skabiosenflockenblume
                      Glockenblumen
                      Oregano
                      Gamander-Ehrenpreis
                      Wicke (Schmalblättrige?)
                      Rotklee
                      Kuhschelle
                      Nachtviole
                      Echtes Herzgespann
                      Elfenkrokus


                      Blau:
                      Natternkopf
                      Kornblume
                      Borretsch
                      Akelei
                      Wiesensalbei
                      Schneeglanz
                      Wiesenstorchschnabel
                      Berg-Eisenhut
                      Wolf-Eisenhut


                      Rosa:
                      Wilde Malve
                      Moschus-Malve
                      Saat-Esparsette
                      Kuckuckslichtnelke
                      • HarryBoden schrieb am 04.08.2017, 14:25
                        Hallo Marten,

                        ich versuche ebenfalls seit 2014, eine alte Streuobstwiese zu renaturieren.


                        Kannst du davon mal ein Bild in voller Blüte einstellen? Was fürs Herz? smiley
                        • Sehr schön. Sieht ja aus wie bei uns - nur leider verfügt ein konservativer Verein über unsere Streuobstwiese und fährt regelmäßig mit dem Rasenmäher drüber. Obwohl weder das Obst noch das Land weiter genutzt werden und sich auch niemand an einer blühenden Wiese stören würde, da sie rückseitig zum Dorf liegt und man nur versehentlich dran vorbei kommt. Oder halt als Vereinsmitglied regelmäßig zur Mahd. Ein Trauerspiel. Immerhin konnten wir in der letzten Saison ein paar Schafe draufstellen, so dass die Flächen jeweils gut in Blühte standen, bevor das Wollvieh umzog. Also gab es wenigstens im letzten Jahr mal eine mehrphasige Beblühung.
                          • Hallo Berti,

                            irgendwie kriege ich das hier mit den Bildern nicht so hin. Ich glaube , ich muss die zuerst nochmal verkleinern.

                            Bei uns ist es ähnlich wie du es auch beschreibst. Die Streuobstwiesen werden von einem Verein betreut, der die Wiesen leider zu oft mäht und mulcht. Den Vereinsmitgliedern ist die Apfelernte wichtiger als der Unterwuchs. Ohne deren Engagement wären die Streuobstwiesen aber wohl auch nicht mehr da, das ganze Gebiet ist von den Leuten vor 10-20 Jahren entbuscht und zum Teil wieder neu bepflanzt worden. Leider sind es mittlerweile so wenige Leute geworden, dass sie die ganze Arbeit kaum noch schaffen können.

                            Viele Grüße

                            Harry
                            • Der Wiesensalbei scheint sich wohlzufühlen: