abonnieren: RSS
  • Das Problem: In den letzten Wochen kam unser Volk nicht gut in Gang, obwohl es bei der Frühjahrsdurchsicht Anfang April einen guten Eindruck gemacht hatte. Regelmäßiger Sammelverkehr ist zwar zu beobachten, auch viel Polleneintrag, aber eben keine Staus am Flugloch und echte Emsigkeit. Das Volk wirtschaftete lediglich auf Bestandserhalt, während eigentlich tägliche Gewichtszunahmen zu erwarten gewesen wären. Eine Wachsmottenkolonie hat das Bienenvolk an den Rand gedrängt. Wie kams dazu?

    Zunächst wussten wir gar nichts von der Situation in der Beute und setzten eine Kontrolldurchsicht aufs Programm: Ein kleines, ruhiges Völkchen, allerdings nur auf 5 Brutwaben. Andere Hälfte des Brutraums: Voll bebaut aber verlassen, vereinzelte Arbeiterinnen, die Vorrätereste abbauen. Gespinnst: Wachsmotte? Einige Tote Wespen, Bienen und mehr Gespinnst. An der Unterseite eingedrücktes Wabenwerk. An der entsprechenden Stelle auf dem Bodenbrett: ein Moosballen. Der Moosballen entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine Brutstätte der Wachsmotte.



    Wie das Moosbündel in die Beute kam, konnten wir rekonstruieren: Bei der Frühjahrsdurchsicht hatten wird die Kiste nicht auf den Kopf gedreht vor dem Öffnen, um zu verhindern, dass das Wintergemüll zwischen die Waben fällt - gute Idee! Aber: Nach der Säuberung des Bodenbretts und vor dem Wiederzusammensetzen der Bienenkiste hätten wir sie auf den Rücken drehen sollen, um noch einmal einen Blick hinein zu werfen. Aber nein, so weit haben wir nicht gedacht. Wir hatten die Bienenkiste ohne Boden mit den Waben nach unten auf die Wiese gestellt und sie von dort einfach wieder angehoben und zurück aufs Bodenbrett gestellt. Dabei muss das Moospolster festgeklebt sein, ohne dass wir es sehen konnten und so haben wir es miteingepackt. Die gute Idee nicht zu Ende gedacht macht sie zur schlechten!

    Aber mindestens zwei offene Fragen haben wir:

    a) Das Mottennest: Ursache oder nur Anlass? Reicht der Fremdkörper (Moosbündel), um einen Mottenbefall zu erklären, der das Frühjahrswachstum des Volks komplett verhindert? Oder spielt es vielleicht eine Rolle, dass die Kiste seit 2011 durchgehend besiedelt ist, die Brutwaben entsprechend "abgewohnt" sind und eine Bauerneuerung sowieso anstand (vgl. "Wie lange wohnt ein Volk in der Bienenkiste?" im Bienenkisten-Forum)?
    b) Müssen wir bei einem Volk, das sich gegen einen Mottenbefall dieser Art nicht wehren kann, nicht von einer tiefer sitzenden, ernsteren Erkrankung ausgehen, die radikalere Maßnahmen notwendig macht?

    Auch wenn sich die Fragen nach dem Ursachenkomplex vielleicht nicht abschließend klären lassen, gilt es zu entscheiden: Was tun?

    Grob fallen uns vier Vorgehensweisen ein:

    1. Nach der Entfernung des Wachsmottennests und der Reinigung des Bodens einfach weitermachen lassen. Wahrscheinlich dann eben ohne Ernte diesen Sommer.
      Meine Bewertung dieser Option: Wäre meines Erachtens nur interessant gewesen, wenn wir auch das Mottennest in der Beute gelassen hätten und regelmäßig die Entwicklung dokumentiert hätten: Hätte es vielleicht eine "natürliche" Bauerneuerung im laufenden Betrieb gegeben?
    2. Die fünf oder sechs sowieso gerade leeren und nicht bebrüteten Brutwaben entfernen und durch frische Oberträger mit Anfangsstreifen ersetzen. Also eine Teilerneuerung des Brutraums, aber ohne Brutverlust, ebenfalls ohne Ernte.
      Naja: Nichts halbes und nichts ganzes. Kamman machen, kamman aber auch sein lassen.
    3. Trommelschwarm zur kompletten Bauerneuerung. (Vgl. dazu auch das Bienenkisten-Forum)
      Mein Favorit, denn: Es fiele ein zweiter Schwarm an (der "Kunstschwarm" nach Auslaufen der Brut), mit dem wir die geräumte Kiste gleich wieder besiedeln könnten und wieder beide Kisten voll hätten.
    4. Volk vernichten, Bienenkiste desinfizieren und auf einen frischen Schwarm warten.
      Beitrag meines Co-Bienenbetreuers, der sich als Advokat des schlimmsten anzunehmenden Szenarios sieht. Meiner Meinung nach als Option außer Konkurrenz.

    Hier zum Blogbeitrag mit mehr Bildern:
    http://www.euse.de/wp/blog/2017/06/mottenalarm-wir-werden-alle-stoerben/


    [Hinweis: KMP hat den Beitrag zuletzt am vor 1 Jahr, 10 Monaten geändert.]
    • Meiner Meinung nach hat das Volk ein Königinnen-Problem: entweder eine überalterte und daher
      nur noch gering fruchtbare Volksmutter oder eine junge unzureichend begattete Weisel, und das Volk weiselt nicht um.

      In diesem Sachverhalt würde ich folgendes tun:

      Abtrommeln des Volkes und anschließend die Weisel raussieben und abdrücken.
      2/3 des alten Wabenwerkes entfernen, den derzeitigen Wabensitz des Volkes mit der darin befindlichen Brut unbedingt unangetastet belassen.
      Maximal einen Oberträger an die verbliebenen Waben setzen (Anfangsstreifen oder besser Mittelwand) und daran ein längs durch den ganzen Brutraum reichendes Trennschied anfügen.
      (Die restlichen 2/3 Brutraum bleibt vorerst leer.)
      Dann die abgetrommelten Bienen wieder zu den in der Kiste verbliebenen Brut und aufsitzenden Bienen zurück geben.
      Dem Volk eine junge begattete Königin im Ausfresskäfig zusetzen.

      Um dieses Volk noch nach vorne zu bringen, muß es eng gehalten werden.

      Wenn drei, vier Waben verbleiben und der zugesetzte Anfangsstreifen oder Mittelwand noch bis zum Herbst ausgebaut wird, hat das Volk eine reelle Überlebenschance.

      Kontinuierlich füttern.

      Deine Überlegungen von Ziffer 1 - 4 sehe ich nicht als zielführend / erfolgversprechend an.

      Bauanleitung Trennschied:
      1. dünne Sperrholzplatte Größe von 578 x 200 mm
      2. diese zwischen die beiden Latten einer Anfangsstreifen-Trägerleiste nageln.
      (Die Bienen müssen die Möglichkeit haben vorne, hinten und unter dem Trennschied durchschlüpfen zu können.)

      gruß bf
        Abyssus abyssum invocat
      • hallo bienenflug, vielen dank für deine bestimmte einschätzung und deine ausführliche handlungsanweisung.

        eine nachfrage:
        bienenflug schrieb am 11.06.2017, 00:03
        Dem Volk eine junge begattete Königin im Ausfresskäfig zusetzen.
        falls ich keine besorgen kann, würden sich die zurückgeschütteten trommelbienen im eingeschränkten brutraum auf der alten brut eine neue prinzessin ziehen, oder? wenn ich kein pech habe und diese den begattungsflug überlebt, hätte ich auch eine neue königin.
        wäre das deiner meinung nach die zweitbeste lösung? oder keine option? wenn nicht, warum nicht?
        • Ja, sie würden sich eine neue Königin nachziehen. Aber da die Mutter bereits schlecht ist,
          wird vermutlich nur das schlechte Erbe dabei rauskommen.
          Es käme hinzu, dass in diesem Falle bis zum Zeitpunkt des ersten Schlupfes fast 1 1/2 Monate
          Zeit vergehen. Bis dahin wäre dein kleines Volk bereits zu einem Häuflein Elend zusammen geschrumpft und zu nichts mehr fähig, auch nicht mit einer dann begatteten Königin.

          Für dich gilt es, jetzt zu handeln, damit du die verbleibende Zeit mit einer starken Königin
          nutzt. Nur so hat das Volk eine Chance.

          Geh doch ganz einfach zum nächstbesten größeren Imker (20 Völker oder mehr). Dieser hat
          sicherlich auch seine eigene Königinnenzucht. Diese Imker weiseln demnächst fast all ihre
          Völker um, so dass es für ihn kein Verlust ist, wenn er dir aus einem der umzuweiselnden
          Völker entweder die Altkönigin gibt, besser aber eine der vorhandenen begatteten Königinnen aus einem Begattungskästchen.

          Allzulange würde ich mir damit nicht Zeit lassen, sonst kommst du u. U. zu spät. Es kann sein, dass der Imker bereits umgeweiselt hat, keine junge Weisel mehr zur Verfügung steht und die alten alle abgedrückt wurden.

          gruß bf
            Abyssus abyssum invocat
          • Hallo mois,

            mir stellt sich die Frage, warum du dich mal für die Bienenkiste als Beute entschieden hast?

            Viele Grüsse
            Petra
            • Hallo Petra,

              wie meinst Du Deine Frage?

              Kann sie als kritische Anmerkung zum Eingriff in die Natur verstanden werden oder in welche Richtung geht es?

              Gruß
              Andreas



              • hallo bienenflug,

                deine these zu meinem fall war ja:
                bienenflug schrieb am 11.06.2017, 00:03
                Meiner Meinung nach hat das Volk ein Königinnen-Problem: entweder eine überalterte und daher nur noch gering fruchtbare Volksmutter oder eine junge unzureichend begattete Weisel, und das Volk weiselt nicht um.

                Auf die Bedeutung der Mottenkolonie bist du gar nicht weiter eingegangen.

                Jetzt ist eine gute Woche her seit Entfernung der motten. seit einigen tagen ist gutes wetter, die Linden blühen, also auch weiterhin gute tracht hier in der Stadt. Und tatsächlich kommt das Völkchen in gang, wie die Gewichtskurve [1] zeigt: um die 700g Gewichtszunahme pro Tag in den letzten drei Tagen.

                Das bestärkt mich noch einmal in der Annahme, dass das Wachsmottenmoospolster doch ursächlich für das stockende Volkswachstum war. Ein paar Tage hat das Volk gebraucht, um die neue Situation zu realisieren, verbliebene Motten, die ja jetzt ohne schützenden Rückzugsraum und ohne nachwachsende Brut waren, zu entfernen, um dann mit dem Normalbetrieb loszulegen, der sich jetzt in der Gewichtsentwicklung abzeichnet. Was meinst du?

                An deinem Vorschlag interessant fand ich die Einengung des Volks im Brutraum. Ich überlege, die Variante 3 (Trommelschwarm und komplette Bauerneuerung) aus meinem ursprünglichen Posting mit deiner Idee der Brutraumverengung zu kombinieren.
                Daher will ich die imkerlichen Annahmen hinter der Maßnahme Brutraumverengung besser verstehen: Wie wirkt eine Verringerung des vorhandenen Hohlraums auf ein Bienenvolk? Das einzige was mir einfällt ist: schwarmsteigernd. Aber darum geht es ja bei mir derzeit nicht. Im Gegenteil.

                vg,
                mois

                [1] https://swarm.hiveeyes.org/grafana/dashboard/db/mois?refresh=2m&orgId=2&from=1497723547290&to=1497959521958

                [ Vom Mod. bearbeitet - Großschreibung - KMP ] [Hinweis: KMP hat den Beitrag zuletzt am vor 1 Jahr, 10 Monaten geändert.]
                • hallo mois,
                  Mottenproblem war für mich nicht maßgebend, sehe ich etwas anders als du.
                  Mottenprobleme sind die Folgen schwacher Völker, sprich auch schwacher Königinnen und
                  nicht die Ursache für deren Schwäche.

                  Wirkung der Brutraumverengung:
                  In deinem Falle wirkt eine Brutraumverengung brutsteigernd, sprich Stärkung des Volkes, was ja dein Ziel ist. Mit Schwarmsteigerung hat dies nichts zu tun, das ist ein anderes Thema.

                  gruß bf
                    Abyssus abyssum invocat