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  • Hallo liebe Leute!

    Der Titel ist durchaus provozierend gemeint, also haut in die Tasten und widerlegt mich smiley

    Mir ist im Verlauf der letzten Monate der Eindruck entstanden, auch der Bienenkistenimker sei vor allem auf eines aus: Die Honigernte. Und ich kann nicht bestreiten, dass ich mich vor allem darauf freue. Doch ist es nicht so, dass wir uns für die Bienenkiste und damit für eine wesensgemäße Bienenhaltung entschieden haben, weil wir mit der konventionellen Imkerei und ihren gravierenden Eingriffen in die Volksdynamik nicht einverstanden sind, sondern den Bien als Eins, als Wesen wahrnehmen und ihm gerecht werden wollen?

    Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage, warum es viele Bienenkistenimker zu geben scheint, die sich mit dem Schwarmtrieb unserer Völker nicht arrangieren können oder möchten - der ja einen wesentlichen Teil des Wesens ausmacht. Ich wiederhole mal ein Argument, mit dem man den Schwarmtrieb zu unterdrücken sucht: Eine starke Königin verlässt - und schwächt damit! - unverhofft ein Volk, dem es womöglich im Verlauf nicht gelingt, einen vergleichbaren Ersatz heranzuziehen.

    Dies kann ich aus honigliebhabender Sicht durchaus nachvollziehen. Zumal sich der "Schaden" noch potenziert, wenn man den Schwarm nicht bemerkt/nicht einfangen kann. Sollte man aber nicht auch gerade einer starken Königin zur Erfüllung ihres Triebes verhelfen - oder sie zumindest gewähren lassen? Umso schöner, wenn man ihr doch eine adäquate Wohnung bieten kann. In ihrem "alten" Volk besteht ja auch durchaus eine gute Chance, dass aus ihrem Erbgut eine ähnlich kräftige, möglicherweise sogar widerstandsfähigere Nachfolgerin entwickelt.

    Wollen wir also das Schwärmen verhindern, um unseren Ertrag zu erhalten? Oder vielleicht auch nur, weil wir wissen, dass ein Überleben für einen verwilderten Schwarm beinahe unmöglich ist? Dieses letzte Argument erinnert mich sofort an eine populationsbiologische Beobachtung: Dass nämlich auch der Mensch gerade in Phasen, wo es ihm an Zukunftssicherheit mangelt, geradezu zur Vermehrung getrieben scheint. Wer verzichtet auf eigene Kinder, weil die Zukunft unsicher erscheint? Und so sollten wir nicht von Außen entscheiden, ob sich ein Bienenvolk teilen darf - vielmehr sollten wir ihm die Chance geben und uns bemühen, seinen Ablegern über die erste Hürde zu helfen.
    • Hallo,

      den Eindruck, dass BK-ler eigentlich auch nur an einer Schwarmverhinderung interessiert sind, teile ich überhaupt nicht. Und wenn man dieses Forum verfolgt, finde ich deine Aussage hier auch nicht so wieder.
      Was man vielleicht sagen kann, ist, dass Nachschwärme nicht unbedingt gewünscht sind. Ansonsten kann ich deiner Beurteilung über BK-ler (die Bienenkistler gibt es sowieso nicht, genausowenig wie die Magazinimker) überhaupt nicht folgen.

      Grüße
      Petra [Hinweis: Honigwabe hat den Beitrag zuletzt am vor 1 Jahr, 7 Monaten geändert.]
      • Hallo lieber Berti,

        Wollen wir also das Schwärmen verhindern, um unseren Ertrag zu erhalten?

        Ein paar Worte auch von mir zu dieser Frage.
        Ich imkere ja nun doch schon ein Weilchen mit der Bienenkiste und kann über viele Hürden, Widrigkeiten und Freuden berichten. Eine besondere Freude stellt für mich die Honigernte dar. Muss nicht übermäßig groß ausfallen, aber ein paar Kg freuen mich schon sehr.

        Sowohl die Bienenkiste als auch ihr Konzept sind auf Honigertrag ausgelegt, alles in einem
        erträglichen Verhältnis für Bienen und Imker.
        Das schöne an der BK ist doch, dass ich mich entscheiden kann, ob ich von einem Volk Honig
        ernten oder Schwärme möchte. Aus imkerlicher Sicht ist beides legitim.

        Entscheide ich mich bei einem Volk für die Honiggewinnung, so müssen Schwarmverhinderungsmaßnahmen getroffen werden wie z. B. das WZ-Brechen. Und hier liegt bekanntlich der Hund begraben. Es gelingt nicht immer, in einem Volk, von dem der Imker sich eine Honigernte erwartet, alle WZellen zu finden. Und dann passiert halt das, was du oben beschreibst. Das ist schon sehr ärgerlich - Schwarmabgang, Schwarm weggeflogen,
        Honigernte dahin.

        Ich für meinen Teil habe von diesen Widrigkeiten jetzt genug und möchte das nicht mehr weiter mit ansehen. Deshalb wird es bei mir künftig Schwarmvölker und Honigvölker geben.
        Bei den Honigvölkern werde ich ein waches Auge auf Schwarmtriebigkeit haben und konsequente Schwarmverhinderung betreiben.
        Bei den Schwarmvölkern wird der Schwarmtrieb hingegen gefördert.

        So kommen meine Bienen und ihr Imker künftig sicherlich gut miteinander aus.

        Gruß bf
          Abyssus abyssum invocat
        • bienenberti schrieb am 26.05.2017, 09:55
          Doch ist es nicht so, dass wir uns für die Bienenkiste und damit für eine wesensgemäße Bienenhaltung entschieden haben, weil wir mit der konventionellen Imkerei und ihren gravierenden Eingriffen in die Volksdynamik nicht einverstanden sind, sondern den Bien als Eins, als Wesen wahrnehmen und ihm gerecht werden wollen?

          In meinem Fall (z. B.), nein. Entscheidend für mich, dass man "mit verhältnismäßig wenig Aufwand selbst Bienen halten [konnten]."
          Es eignet sich für Menschen, die gerne selbst Bienen halten möchten und für den Eigenbedarf etwas Honig ernten wollen, ohne gleich die gesamte Freizeit dafür einsetzen zu müssen.

          Schöne Grüße

          Kevin
            Kevin M. Pfeiffer - Berlin (Mitglied, Imkerverein Kreuzberg e.V.) - Imkerbuch - Stockwaage - Visitenkarte