abonnieren: RSS
  • Hallo liebe BK-Imker!

    Ich bin neu hier und wurde durch meinen Sohn auf diese Community aufmerksam gemacht. Ich habe von 1979 bis Ende 2003 im Münchener Osten geimkert -- in Zander-, Kuntzsch- und DN-Beuten, in den 90ern mit bis zu 25 Völkern. Mein Sohn hat sich damals nicht viel für die Imkerei interessiert, aber doch einiges abg'schaut.

    Vor einem Jahr hat er Lust am Imkern bekommen und mir viel von der Bienenkiste erzählt. Dieses Jahr hat er damit angefangen. Vor ca. zwei Wochen hat er einen Vorschwarm über die "Schwarmbörse" vermittelt bekommen und in die BK einlaufen lassen. Er konnte mir leider nicht viel über die Herkunft des Schwarms (außer BK-Beute, dem Ort und Anbieter) weiter berichten -- da streuben sich einem gestandenen Imker ehrlich gesagt die Haare. Der Halter wußte wohl nicht mal was für eine Bienenart er hält.

    Nichts für Ungut, der kleine Carnica Schwarm hat sich gut entwickelt in den letzten zwei Wochen. Mit Honig wird es bei dieser Betriebsweise in diesem Jahr wohl nichts meint mein Sohn.

    Am letzten Wochenende hat er dann freudestrahlend von einem zweiten Schwarm über die "Schwarmbörse" berichtet, den er am Sonntag abends in seine 2. BK eingeschlagen hat. Hier konnte er mir wieder nichts genaueres über die Herkunft sagen, außer Ort und Anbieter. Auch hier wußte der Anbieter nichts über die Art der Bienen.
    Da der Schwarm am Montag nicht mehr in der Kiste war, sondern in diversen Trauben in der Nähe der BK hing, rief er mich um Rat und Tat. Das Wetter war ziemlich regnerisch, trotzdem ist der Schwarm ausgezogen.

    Gestern früh habe ich mich zu ihm aufgemacht und festgestellt, dass sich meine Befürchtungen erhärteten. Es handelte sich sicherlich nicht um einen Vorschwarm, sondern entweder um einen Fegling oder um mehrere Nachschwärme die zusammengefegt wurden -- mit gleich 4 Jungköniginnen. Auch die Bienen sind sicherlich keine Carnicas sondern eine wilde Mischung aus allem möglichen, mglw. Buckfast-Abkömmlinge bis zu einem gewissen Grad. Ich habe die Trauben dann alle eingefangen und in eine ordentliche Kiste verbracht (den Schwarm hatte er in einem völlig ungeeigneten Papp-Karton geholt). Die Königinnen habe ich gesiebt (dank ordentlicher Schwarmfangvorrichtung) und nur eine den Bienen überlassen. Die einzelnen Trauben waren auch äußerst agressiv, weshalb ich davon ausgehe, dass die Bienen auch kaum Honigvorräte dabei hatten, typisch für Nachschwärme oder Feglinge. Adam-Fütterer auf die Box und jetzt bis morgen in Kellerhaft. Ich drücke ihm die Daumen, wenn er sie morgen Abend wieder einschlägt, dass sie dann bleiben (werden).

    Dies soll nur als Hintergrundinfo dienen. Ich habe mir das BK Buch von Herrn Klein durchgelesen. Allerdings habe ich wirkliche Bedenken zur BK-Haltung, vor allem wenn die von Herrn Klein und dieser Community geschaffenen BK-Halter so grundlegende Dinge wie die Weiselbehandlung völlig außer Acht lassen. Der Anbieter des 2. Schwarms für meinen Sohn betreibt anscheinend regelrechte Schwarmschleudern oder fegt Bienenvölker zusammen ohne irgendeine Weiselbehandlung. Ich halte das für außerordentlich bedenklich. Der Anbieter meinte zu meinem Sohn ihm seien schon mehrere Schwärme dieses Jahr abgegangen, er könne aber nicht zuordnen aus welcher BK sie stammen etc.

    Wenn ich so etwas höre, dann wünsche ich mir ein Verbot der Imkerei für automone BK-Betreiber (ich nenne sie mal autonom), die nichtmal die grundlegendsten Dinge sauber beherrschen. Wenn schon die Weiselzellen nach einem Vorschwarm völlig ignoriert werden, dann will ich nicht wissen wie solche BK-Halter eine Varroabehandlung ausführen.

    Aber neben diesen handwerklichen Problemen bei Schwärmen unklarer Herkunft -- wie zum Teufel kann hier eine ordentliche Zucht und Selektion stattfinden? Wenn die Halter nichtmal das 1mal1 Beherrschen und ihre Drohnenschleudern auf Belegstellen loslassen, was soll dabei herauskommen? Die Verwilderung der Biene??

    Verfolgt die wesensgemäße Imkerei das Ziel, alles der Natur zu überlassen? Wozu dann noch Varroabehandlung? Die Natur wird's schon richten oder wie? Wird hier nicht jahrzehntelange Zuchtarbeit stark gefährdet?

    Ich wäre nichtmal überrascht wenn solche autonomen BK-Betreiber sich auch weigern sich behördlich zu registrieren und auch in AFB-Gebieten ihr Unwesen treiben.

    Wie kann in der Schwarmbörse eine vernünftige Qualitätskontrolle stattfinden? Ich bin der Meinung dass Schwärme, wenn überhaupt, nur von anerkannten Imkern (meinetwegen BK-Imkern) abgegeben oder zumindest IMMER begutachtet werden sollten, damit solche Probleme in Zukunft verhindert werden.

    Würde mich freuen, wenn diese Community meinen Ärger irgendwie nachvollziehen kann. Wie eingangs erwähnt bin ich dieser Haltung nicht grundsätzlich abgeneigt, aber es wird hier absoluten Anfängern zu einfach gemacht.

    Herzlichst,
    Hans aus Waldtrudering
    • Hallo Hans,

      quasi aus der Nachbarschaft (Messestadt Riem) erst einmal Willkommen hier im Forum.

      Ich habe mir Deine Bedenken aufmerksam durchgelesen und finde es immer wieder gut, auch mal kritische Töne zu hören - das regt das Nachdenken an. Nach meiner Auffassung spricht aus Dir Deine jahrelange Erfahrung und Arbeit in der konventionellen Imkerei, was scheinbar einen gewissen Argwohn gegenüber den "Bienenkisten-Hippies" in Dir hervorruft. Dass Du deshalb Sorge hast, dass diese "komische Bienenkiste" zur Verrohung der Bienenwelt beiträgt, kann ich nachvollziehen. Auf der anderen Seite habe ich als jemand, der Flora und Fauna mag und Willens ist, sich an einer Verbesserung der Umwelt zu beteiligen, Sorge, dass die konventionelle Imkerei zu sehr auf sich bedacht ist und um ihre Vormachtstellung fürchtet. Klar, es ist normal, dass beispielsweise ein Architekt nichts davon hält, wenn Tante Emma ein Wohnhaus plant.

      Aber: Ohne die Bienenkiste gäbe es in der Messestadt zwei Bienenvölker weniger, weil eine konventionelle Imkerei für mich (auf absehbare Zeit) überhaupt nicht in Frage kommt. Ich habe nun mal kein Interesse daran, am Bienenvolk herum zu doktern wie es Ertragsimker machen. Drohnenbrut schneiden, Königinnen züchten, Rähmchen hin- und herschieben. Das braucht der Mensch für sich, aber das braucht nicht die Biene. Und ich glaube, das ist der Unterschied in der Denkweise der wesensgemäßen Bienenhaltung und der ertragsorientierten Bienenhaltung.

      Mein fehlendes Interesse an der konventionellen Imkerei soll aber im Umkehrschluss keinesfalls bedeuten, dass mir das Wohl des Volkes egal ist und die Bienen in der Kiste auf sich allein gestellt sind. "Nach mir die Sintflut" ist definitiv nicht die Absicht, die hinter der Bienenkiste steckt. Bitte mache Dich frei von dieser Einstellung.
      Fehlende Erfahrung, nachlassendes Interesse oder schlichtweg Überforderung können natürlich auch in BK-Imkerkreisen vorkommen, zumal die "private Stadtimkerei" derzeit wirklich sehr in Mode ist. Da ist ein gewisser Fail-and-Error-Anteil sicherlich dabei. Das darf man nicht kleinreden oder herunterspielen, ganz klar. Aber ich denke, die große Mehrheit der BK-Imker ist sich ihrer Verantwortung für das eigene und für Nachbarvölker vollends bewusst und handelt auch dementsprechend. Völkerkontrolle, Fütterung, Ameisen- und Oxalsäurebehandlung - das alles gehört auch zum Handwerk eines BK-Imkers! Der BK-Imker lässt aber sein Volk eben mehr selber machen, so wie es die Natur vorgesehen hat.

      Ich denke nicht, dass Bienenhaltung sich nur über Selektion, Königinnenzucht und Streben nach dem bestmöglichen Ergebnis definieren sollte. Wer legt eigentlich fest, was für die Bienen gut und nicht gut ist? Der Mensch etwa? Das ist meines Erachtens der falsche Ansatz, denn die Natur bzw. der Bien weiß immer noch am besten, was für sie bzw. ihn gut ist. Der BK-Imker soll den Weg ermöglichen, die Bienen müssen ihn aber selber gehen. So habe ich für mich die Bienenhaltung mit der BK definiert.

      Was Deine Kritik an der Schwarmbörse angeht, bleiben für mich einige Fragen offen. Dass Du den Ausdruck "Schwarmschleudern" verwendest, zeigt mir doch recht deutlich, dass Du gedanklich noch in der Schiene Deiner Arbeit zwischen 1979 und 2003 drinsteckst. Schwärmen erlaubt! ist das Motto der BK. Und warum hast Du für die 4 Trauben durch Aussieben entschieden, welche Königin der zusammengeführte Schwarm haben soll? Warum hast Du es nicht den Bienen selbst überlassen, das in Eigenregie zu regeln? Welchen Vorteil hast Du den Bienen verschafft, indem Du ihnen die vermeintlich "richtige" Königin vorgesetzt hast?
      Hinsichtlich der Züchtung ist es nun einfach so, dass Bienen freilebende Lebewesen sind. Dass es da zu Vermischungen kommen kann, ist doch vollkommen normal - und von der Natur sogar gewollt. Vielleicht wird das Vermischen durch die Schwärme der BK etwas verstärkt, aber was ist der konkrete Nachteil? Wenn die Jungkönigin auf Begattungsflug geht, kann ich es doch eh nicht steuern, welche Drohnen an sie randürfen und welche nicht. Und ob das dann Drohnen aus einem Carnica-Volk oder einem Buckfast-Volk sind. Spielt das denn wirklich eine Rolle? Oder geht es nicht eher um die Angst des Menschen, dass das Bienenvolk nicht den vom Menschen gewünschten Charakter hat?

      Bitte verstehe die Fragen und meinen Beitrag nicht als persönlichen Angriff. Es handelt sich lediglich um die Ansicht eines BK-Imkers, der aus Verantwortung zur Natur handelt und der nicht jeden menschlichen Eingriff für richtig hält.

        Bienenkisten im Münchner Osten: Meine Stockkarte
      • Hallo Hans,

        immer ruhig Blut. So ganz unstrukturiert geht es hier auch nicht ab, obwohl ich Dir in manchen Teilen schon zustimme. Dass der Anteil von Anfängern ohne Imkerkurs bei den BKlern größer ist als bei den "konventionellen", kann ich mir schon vorstellen, allerdings finde ich die Betreuung recht gut. Ich behaupte ab und an, der BKler imkert nicht, er wird geimkert. Wenn man sich einigermaßen an die Vorgaben hält, kann man durchaus vernünftig Bienen halten, ohne richtig "Imker" zu sein bzw. zu werden. Aber das Interesse der allermeisten BKler ist schon so ausgeprägt, dass sie sich zu richtigen Tierhaltern entwickeln. Außerdem hab´ ich das Gefühl (rein subjektiv), die Ideologie ist mehr verantwortungsbewußt und der Ausbildungsstand der konventionellen (meine Erfahrung) ist nicht unbedingt besser. (Echt kein Witz: Letztes Jahr hab´ ich einen Imker in einer Kleingartenanlage getroffen mit ein paar Segebergern auf seiner Laube. Nach einigem Gerede hat er mich gefragt, ob ich denn schon die neue Krankheit kenne und ob ich da "was" mache. Es hat etwas gedauert bis ich begriff, dass er mit neuer Krankheit Varroa meinte. Ich geh´ aber davon aus, dass dieser Kollege die absolute Ausnahme war.)

        Das bei Schwärmen, die von einem anderen Imker angeboten werden, auch nach einem Nachweis über die Gesundheit des Standes gefragt werden soll, kann ich nur bekräftigen. Das würde schon zeigen, dass sich der Anbieter um seine Tiere kümmert.

        Zu Deinen Zucht- und Verwilderungsansichten will ich mich lieber nicht äußern, da gehen unsere Meinungen etwas auseinander, aber Deine Idee mit den anerkannten Imkern find´ ich interessant. Allerdings hab´ ich keine Ahnung, wer denn Imker anerkennen soll und welche Kriterien dem zugrundeliegen. Einfach einem Verein beitreten wird wohl nicht reichen und nach einem Imkerkurs bin ich immer noch kein anerkannter Imker. An Deinem Sohn seh´ ich auch, dass selbst familiäre Ausbildung manchmal nicht reicht um anerkannt zu werden. Da muß er wohl noch etwas bei Dir nachsitzen.

        Mein Fazit vorsichtig ausgedrückt: a) Alles in allem bin ich in der letzten Zeit zu der Auffassung gekommen, dass die BKler sogar noch weniger Schaden anrichten als manche Nicht-BKler. b) Evtl. Wissenslücken sind nicht BK-spezifisch, sondern bei allen Imkern zu finden, können aber nicht oft genug angesprochen werde. c) Mit Deiner Carnica-Buckfast-Ansicht wirst Du hier keinen Blumentopf gewinnen, da es hier gar nicht um Selektion geht.

        Beste Grüße und noch viel Spaß mit Deinem Nachhilfeschüler!
        Michael
        • Hallo Hans,

          erst einmal Danke für Deine Ausführungen und Erfahrungen.

          Was mir in Deinen Zeilen besonders ins Auge gefallen ist, sind die Worte wie Selektieren, Zucht, usw.
          Ich betreue erst seit 2014 Völker in Bienenkisten aber es war und ist und wird nie mein Ansinnen zu züchten, zu selektieren und erst recht nicht unbedingt und viel Honig von meinen Völkern zu bekommen. Diese Art von Betriebsweise möchte ich nicht.
          Ich möchte mich auch nicht in alles einmischen, was sich in meinen Völkern abspielt. Allerdings gibt es Dinge, da sind wir auch als Bienenkisten-Halter gefordert, nämlich u.a. bei der Weiselkontrolle, der Varroabehandlung oder darauf zu achten, dass sie in der Überwinterungszeit genug Nahrung haben, oder darauf zu achten, ob sich Krankheiten eingeschlichen haben, um dann etwas dagegen zu tun.

          Zur Schwarmbörse kann ich nicht viel sagen. Im letzten Jahr habe ich dort einen Schwarm einer meiner BKs eingestellt. Und ich konnte auch genau nachvollziehen, von welcher Bienenkiste dieser abgegangen war und woher das Muttervolk stammt.
          Allerdings kann ich natürlich nicht nachvollziehen, von welchem Drohnenvolk meine Jungkönigin begattet wurde. Manche der danach geschlüpften Jungbienen tragen hübsche gelbe Ringe, andere sind wieder einheitlich braun. Aber deswegen eine Königin auszumerzen, weil sie "fremdgegangen" ist, nein!

          Ich gehe davon aus, dass es sowohl unter den Profi- als auch unter den Hobby-Imkern schwarze Schafe gibt. Ebenso gibt es Imker, die an ihrem Wissen festhalten und nichts verändern ("is ja immer jot jejange"; "es wurde mmer schon so gemacht").

          Übrigens: Im Film "More than honey" kann man u.a. sehr deutlich sehen, wie Imkerei auch ausarten kann und das ganz professionell.
          Will man so etwas ?

          LG Petra

          P.S. Ich gehöre selbstverständlich zu den behördlich registrierten Bienenkisten-Haltern
          • Welcher Dorfimker betreibt denn noch Zucht? Das sind doch Ausnahmen!
            Woher kommen denn die Schwärme, doch nicht etwa von Magazinimkern?
            Denn Bienenkistenimker sind im Gegensatz zu Magazinimkern rar gesäht.
            Und welchen Imkern in den Dörfern gehen denn die Völker ein ? - bei mir im
            Dorf ist das bei den Magazinimkern regelmäßig der Fall, teilweise bis zum
            jährlichen Totalverlust.
            Das nenne ich mal ne Zucht!

            Und die Zeit des 3. Reichs, wo in der Imkerei alles und jedes vorgeschrieben wurde, ist
            glücklicherweise vorbei.

            Mein Ärger geht mehr in Richtung derjenigen Personen/Organisationen, die auch den besten
            Zucht(-bienen) das (Über) - Leben schwer bzw. unmöglich machen!!!

            bf
              Abyssus abyssum invocat
            • Servus zusammen,

              leider konnte ich bisher nicht auf Ihre Antworten reagieren und wurde nun auch indirekt aufgefordert Stellung zu nehmen.

              Zunächst vielen Dank für Ihre Antworten.

              Als ich mit der Imkerei anfing, war es üblich, dass mich als Jungimker damals ein Imkerpate über 1-2 Jahre an die Imkerei praktisch heranführte. Natürlich haben wir damals auch allerhand Theorie aus verschiedenen Büchern studiert und diese auch sehr kritisch mit unseren Paten und den Vereinsmitgliedern diskutiert. Und die jüngeren Imker waren durchaus sehr experimentell und haben auch damals Stroh- und Lehmstülper, Baumstämme o.ä. exotische Beuten ausprobiert auch mit Unterstützung der Altimker. Aber immer als Experiment, nicht als alleinig richtige Haltung. Mein Verein, wie die meisten, bestand (und besteht) natürlich hauptsächlich aus Hobbyimkern. Erwerbsimker haben keine Zeit für's Vereinsleben.

              Viele Jungimker waren auch damals Ende der 70er noch Jugendliche. Bevor ich mein erstes Magazin völlig allein betrieben habe, verging mind. eine Saison an den Ständen meines Paten. Erst in der 2. oder 3. Saison durfte ich mit 3 Magazinen starten und wurde noch in den Folgejahren von meinem 2. Paten mit viel Enthusiasmus weiter betreut. Der Verein hat damals sichergestellt, dass keine absoluten Anfänger einfach so Bienen halten durften. Das war auch noch vor 10 Jahren so, zumindest hier.

              Mein Sohn hat sich vor seiner Pubertät (Ende der 80er) etwas für die Imkerei interessiert, damals habe ich ihm viel gezeigt. Seine neue Begeisterung enstand aber erst vor einigen Jahren, auch inspiriert durch diese Community hier.

              Die Erfahrungen die ich bis jetzt an seinen 2 BKs sammeln konnte, haben viele kritische Fragen hervorgerufen.

              Angefangen mit dem Problem der wilden Herkunft seiner Bienen. Ein Einsteiger hat doch garkeine Erfahrung den Zustand eines Schwarms beurteilen zu können. Deshalb habe ich ja angeregt, dass die Schwarmbörse nur Schwärme von "anerkannten" Imkern vermitteln sollte. Eine "Anerkennung" könnte bspw. ein Scoring durch langjährige Hobby-Imkerei beinhalten sowie Nachweise des jeweiligen Tierarztes oder Futterkranzergebnisse beinhalten oder zumindest eine Paten-Begutachtung eines Schwarms vorsehen, die sich auch positiv auf das Scoring (seine Anerkennung) eines Anbieters auswirken könnte.

              Nun zum Thema Zucht und Selektion:

              Anfängern muss klar sein, dass man nie alleine imkert und jede BK auch die Imkernachbarn beeinflusst. Sei es durch die Verbreitung von Seuchen, durch Räuberei oder durch die Drohnen. Auch sollten Anfänger immer beim lokalen Imkerverein klären, ob der Verein oder ein Imker in der Nähe Zuchtstationen betreibt. Nicht jede Station ist eine staatlich anerkannte Belegstelle, könnte aber durch BK-Drohnen negativ beeinflusst werden. Da macht sich der BK-Imker keine große Beliebtheit bei den Nachbarimkern.

              Aus meiner Sicht betreibt selbst ein BK-Imker eine Zucht durch Schwarmbildung. Deshalb ist die Aussage von bienenflug absurd, wenn er meint, dass kein "Dorfimker" noch Zucht betreibt. Was machen BK-Halter denn mit Bienen im 2. oder 3. Jahr mit Völkern, die besonders negativ auffallen, z.B. wenn sich seine neue F2 aus einem Buckfast-Derivat gekreuzt mit Carnica entstand? Darauf hat der BK-Halter doch am wenigsten Einfluss, wenn er seine Weiselbrut nichtmal beobachtet und vielleicht nicht weiß, woher der neue Anfänger seinen Schwarm bekommen hat (siehe oben in meinem ersten Beitrag).

              Findet sich der BK-Halter dann mit dem stechwütigem Volk ab und hofft dass es im 4. Jahr besser wird oder würde er nicht lieber diesem Treiben ein Ende setzen?

              Selektion findet nicht (durch den Imker) statt!?

              Was ich in den letzten Jahren zunehmend wahrgenommen habe, ist, dass es einige Fortschritte zum Thema Varroa-Resistenz gibt. Deshalb frage ich erneut, soll dies völlig der Natur überlassen werden oder machen hier Züchter (z.B. insbesondere die der dunklen Biene) nicht signifikante Fortschritte durch Zucht? Und soll dies durch BK-Halter durchkreuzt werden?

              Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein grundsätzlicher Gegner der BK-Haltung, ich bin nur ein Gegner von Haltern, die keine Ahnung haben und ein Kritiker von manchen offensichtlichen Problemen der Bienenkiste ansich.

              Herzliche Grüße,
              Hans
              • Hallo Hans,
                aus deinem Beitrag möchte ich kurz zu folgendem Punkt Stellung nehmen:

                Aus meiner Sicht betreibt selbst ein BK-Imker eine Zucht durch Schwarmbildung. Deshalb ist die Aussage von bienenflug absurd, wenn er meint, dass kein "Dorfimker" noch Zucht betreibt.

                Ich denke, das der Begriff "Zucht" in der Imkerei ein Begriff ist, unter
                welchem sich der verständige Bienenhalter eine bestimmte allgemein übliche
                Vorstellung macht. Züchten bedeutet ERBGUT VERÄNDERN.
                Selbstverständlich verändert sich das Erbgut eines Bienenvolkes ständig
                mit Abgabe eines Schwarms. Den natürlichen Kreislauf der Bienen und dessen
                Zulassung in Form des Naturschwarmes als Zucht zu bezeichnen finde ich
                jedoch fehl am Platze. Dieser natürlichen Vermehrungsvorgang der Bienen
                steht voll und ganz im Einklang mit deren Millionen Jahre alten Evolution.

                Nun kann es durchaus sein, das ein Bienenhalter in Nachbarschaft eines
                BK-Imkers eine eigene kleine Zucht betreibt. Er möchte seine Völker auf
                bessere wie auch immer geartete Leistung heranführen, indem er deren
                Erbgut durch bestimmte Einkreuzungen/selektive Prozesse bewußt verändert
                (im Übrigen auch nicht immer zum Vorteil der Bienen). Wenn dann beispielsweise meine oder die eines anderen BK-Imkers Drohnen dessen
                Prinzessinnen beglücken und ihr damit anderes Erbgut zuführt als vom
                betroffenen Imker gewünscht, dann hat er halt Pech. Kommt vor in der Natur
                und bei der hiesigen Bienendichte.

                Der Anspruch eines Bienenzüchters unterscheidet sich vom Anspruch eines
                BK-Imkers deutlich. Das heißt jedoch nicht, dass ihm mehr Rechte zustehen
                als dem BK Imker und es bedeutet auch nicht, dass der BK-Imker der schlechtere Imker sein muss.
                Das was du aus früheren Zeiten berichtest mag im Einzelfall zugetroffen
                haben, aber es war auch damals nicht anders als heute.
                Wir BK-Imker sind keine schwarzen Schafe in der Imkerei und erst recht keine
                Dummen. Wir imkern mit einer anderen Einstellung zur Biene und Natur und
                weniger mit dem Gedanken auf möglichst viel Ausbeutung dieser Tiere und den
                damit verbundenen Gewinn.

                Sei es drum. Reden Dein Sohn und du eigentlich noch miteinander?

                Gruss bf
                  Abyssus abyssum invocat
                • Lieber Hans,

                  kurze eine Antwort von mir. Da ich derzeit verreist bin, habe ich keine Zeit, ganz ausführlich zu antworten. Die Schwarmbörse vertraut auf die Verantwortung der einzelnen Imker. Genau, wie es ja auch ohne Schwarmbörse ist. Jeder Imker kann Bienenschwärme und -Völker anbieten und viele tun das - auch ohne Schwarmbörse. Es gibt keine gesetzliche Regulierung hinsichtlich der Qualifikation der Imker. Ich persönlich würde einen "Imkerführerschein" analog zu einem Angel- oder Jagdschein befürworten. Aber rate mal, wer dagegen Sturm laufen wird: das sind die ganzen langjährigen "erfahrenen" Hobbyimker.

                  Es gibt eine Feedback-Möglichkeit bei der Schwarmbörse, um Missbrauch und andere Beschwerden loszuwerden. Die Beschwerden von erfahrenen Imkern über "ahnungslose" Anfänger und die Beschwerden über erfahrene Imker, die Anfänger hemmungslos über den Tisch ziehen, halten sich etwa die Waage.

                  Was ich in den fast 10 Jahren "Bienenkiste" gelernt habe, ist dass man keinesfalls sagen kann: Vereinsimker = qualifiziert und verantwortungsvoll, junger (unabhängiger) Imker = unqualifiziert und verantwortungslos. Das findest Du auf beiden Seiten. Und ich war anfangs überrascht, wie ahnungslos und verantwortungslos DIB-Imker zum Teil handeln, bis rauf in die "Führungsetagen". Anderseits kenne ich viele junge Imker, die die alten Hasen locker in die Tasche stecken können.

                  Liebe Grüße
                  Erhard
                    Erhard Maria Klein - Hamburg