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  • Verstellen eines Volkes

    Ein jeder von uns kommt mal in die Lage, den Standort seiner Bienenkiste/n verlegen zu müssen,
    sei es, weil man ein neues Grundstück findet, eine bessere Stelle am gleichen Standort oder
    seien es auch nur wenige Meter auf einer Terrasse, weil der bisherige Standort doch nicht
    so ideal ist.

    Viele Ideen wurden schon im Forum aufgegriffen, jedoch mit mehr oder weniger schlechten
    Ergebnisssen.

    Das einfachste ist:
    Erfolgt das Umsetzen eines Volkes auf eine Entfernung von mehr als 6 km , so ist keine Vorsichtsmaßnahme erforderlich. Die Bienen fliegen sich am Standort ein und können nach 3-4 Wochen zurückgeholt und wieder gleich auf welchen Platz am früheren Standort aufgestellt werden.

    Erfolgt das Verstellen hingegen auf kürzere Distanz, gar am gleichen Standort, so müssen Maßnahmen
    getroffen werden, die dem Volksverluste vorbeugen.

    Im ersten Falle hatten die Völker ausreichend Gelegenheit, sich am „Notstande“ einzufliegen
    und haben die alte Flugstelle vergessen. Im zweiten Falle, bei kürzerer Distanz, ist das jedoch
    nicht der Fall.

    Kommt ein Biki-Imker in die Zwangslage, sein Volk auf kurze Entfernung umsetzen zu müssen, so
    wäre der gröbste Fehler, dieses in der fluglosen Zeit, sprich im Winter, zu tun.
    Was man in den meisten Fachbüchern lesen kann ist, dass die Völker im Winter vor dem ersten Ausflug (Reinigungsflug) umzusetzen sind.
    FALSCH! Diese Empfehlung beruht auf dem Trugschluss, dass die Flugbienen über Winter
    ihre alte Flugstelle vergessen. Das ist aber nicht der Fall.
    Die Flugbienen werden sich ohne Ausnahme am alten Standort einfinden, sich niedersetzen und erstarren. Das Volk wird zwar, da es
    Jungbienen hat, überleben, bleibt aber auf Dauer in der Entwicklung zurück.

    Aus diesem Grunde muss die Standortverlegung zur Flugzeit erfolgen, von April bis Oktober, und nicht im Winter! Die Umstellung wird verlustfrei erfolgen, wenn sie richtig durchgeführt wird.
    Wie man das macht, liste ich nun spiegelstrichartig auf:

    - Sagt der Wetterbericht für den beabsichtigten Umsetzungstag warmes Schönwetter voraus,
    geht es los! Bei Schlechtwetter muss man das um ein paar Tage verschieben.

    - Am Abend zuvor setzt man seine Bienenkiste nach eingestelltem Fluge um auf den
    neuen Standort.

    -Am kommenden Morgen, bei Flugbeginn, stellt man dem Volk ¼ Liter warme Zucker-/Honiglösung (Reizfütterung) in die Beute und treibt damit die Flugbienen in Massen raus! Genau das möchten wir erreichen!

    - Die alte Flugstelle muss leergeräumt sein, da darf keine Beute oder ähnliches stehen,
    denn die Bienen fliegen auf jeden Fall zum alten Standort, finden diesen leer vor und
    ziehen größere Kreise. Angelockt vom Gebrumme und lebhaften Trieben am neuen Standort werden sie angelockt, nehmen den Stockduft ihrer Stockschwestern auf und ziehen am neuen Standort ein. Nicht eine Flugbiene geht durch Erstarren verloren.


    Es gibt noch eine andere Möglichkeit, durch die eine Volksschwäche vermieden werden kann
    (ist was für Bastler):

    - man baut aus Brettchen, die man gerade zur Hand hat, einen Flugkanal von ca. 12-15 cm
    Länge mit seitlichem Flugloch (Fluglochdurchmesser ca. 4 cm oder Schlitz von 2 x 5 cm genügt)

    - Am Abend wird die Biki auf den neuen Standort getragen und wir legen den Fluglochkanal am Flugloch der Bienenkiste an. Das kann mittig oder seitlich erfolgen. Das restliche Flugloch der Bienenkiste wird mit Schaumstoff oder einer Abdeckleiste verschlossen. .

    - Die Bienen, die es gewohnt sind, am Morgen geradeaus aus dem Flugloch zu fliegen
    finden dieses verschlossen vor und sind irritiert. Sie suchen und finden im Kanal das
    Seitenflugloch. Sie fliegen nicht aus, sondern spielen vor, kehren zurück, spielen erneut vor und vergrößern ihren Flugkreis, sprich, sie fliegen sich am neuen Standort ein, ganz ohne Verluste.

    Auch bei dieser Maßnahme wirkt eine Reizfütterung zu Beginn des Flugbetriebes Wunder.
    Nach ein paar Tagen kann man den Flugkanal ohne Probleme entfernen.

    Auch hierzu sagt die Skizze im Anhang mehr als tausend Worte.

    Während ich nicht möchte, dass mir jemand bezüglich meines offenen Gitterbodens folgt, so
    lege ich Euch aber dringend ans Herz, ein beabsichtigtes Umsetzen keinesfalls im Winter jedoch mit den von mir aufgezeigten Möglichkeiten vorzunehmen.

    Nun viel Erfolg beim Umsetzen (frühestens im April!).

    bf

    [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 3 Jahren, 4 Monaten geändert.]
      Abyssus abyssum invocat
    • Hallo bf

      Danke für die Info

      Auch ich glaubte, man kann die Bienen nur im Winter umsetzten sollte..

      Eine Frage habe ich noch:

      -Am kommenden Morgen, bei Flugbeginn, stellt man dem Volk ¼ Liter warme Zucker-/Honiglösung (Reizfütterung) in die Beute

      hinter das Einflugloch ( biki) oder in den Flugkanal stellen?

      zitieren: wollte bei mir nicht

      Danke
      Drohn





      • Lieber Bienenflug,

        Deine Konstruktion sieht gut aus.
        Wäre mir aber zu aufwendig.
        Ich nehme Mäusegitter 6,5 mm oder ein Stück Absprerrgitter und ein Brett als Sichtschutz wenige cm davor.
        Zu jeder Jahreszeit.

        Im Prinzip so, wie hier beschrieben:
        http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=12017

        Was ich intellektuell nie verstanden habe:
        Wenn Bienen ausserhalb des Flugkreises verstellt werden, wieso das geht.
        Wenn eine Flugbiene aus dem Loch kommt, wegfliegt und nach wievielen Metern merkt, dass sie nicht in heimischen Gefilden ist, wie schnell merkt sie das? Wie findet sie dann zurück?
        • @hallo drohn,

          natürlich in die Beute!
          du nimmst z. B. ein flaches Gefäß und schiebst es von hinten durch den Honigraum in die Beute, direkt ans Trennschied
          oder gar darunter durch, so weit es geht, wie beim normalen Füttern.
          Je schneller die Bienen das Futter finden und aufnehmen um so besser.


          @Hallo Gunnar

          Alternative 1 u. Alternative 2 funktionieren sicher, ohne jede Veränderungen, Sperrungen usw.

          zu Alternative 3:
          Der Flugkanal funktioniert sicher und ist was für Bastler, wie ich schon angemerkt habe, Diejenigen, die Freude am Basteln haben und möchten, dass ihre Bienen erfolgreich umgesetzt werden, werden
          sich nicht scheuen, einen solchen Flugkanal zu bauen.

          Ich möchte dem Anfänger und auch erfahrenen Imker Umsetzungsmethoden aufzeigen, die sicher funktionieren, wenn er die erforderlichen Begleitmaßnahmen beachtet.

          Alles andere, auch die von Dir aufgezeigte Methode mag funktionieren, mehr schlecht als recht.
          Über derartige Negativbeispiele wurde schon mehrfach hier im Forum berichtet. Allein mit nem
          Brettchen vorm Flugloch ist es ja nicht getan!

          Kleine Anmerkung zur intellektuellen Seite beim Verstellen ausserhalb des Flugkreises:
          Wahrscheinlich ist das weniger intellektuell, als vielmehr physikalisch zu erklären. Könnte es sein, dass die Biene (deren Sinneswahrnehmungen wir nicht alle kennen) weiß, dass der Sprit nicht reicht, um
          nach Hause (alter Stellplatz) zurück zu fliegen? Hatte schon mal was in der Art gelesen.


          gruss bf
          [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 3 Jahren, 4 Monaten geändert.]
            Abyssus abyssum invocat
          • Hallo zusammen,
            für mich ein sehr aktuelles Thema, da ich für diesen Winter oder frühes Frühjahr den Umzug meines Volkes geplant habe.
            Sehe ich das richtig, dass für ein Umzug außerhalb des Flugradius der Zeitpunkt egal ist? -bei mir wären es rund 70Km also gut ausreichend :-D.

            -Geplant habe ich eine Nachtfahrt, bei relativ geringen Temperaturen im nicht beheizten Auto (Gefahr von verbrausen am geringsten -wenn ich das richtig verstanden habe).

            gibt es sonst noch Dinge die zu beachten sind oder Erfahrungen die nicht im Büchlein stehen?
            • hallo hardy

              aktuelles Thema, da ich für diesen Winter oder frühes Frühjahr den Umzug meines Volkes geplant habe.


              ich möchte dir empfehlen, diesen Umzug im April vorzunehmen, am Vorabend eines
              Schönwettertages. Während der Fahrt das Rückbrett abnehmen und gegen Fliegengitter
              austauschen. Die Bienen fliegen sich am nächsten Morgen ohne Probleme ein.

              Ich wiederhole mich:
              Kein Umsetzen im Winter.
              Umsetzen nur bei gutem Flugwetter, denn wir möchten ja, dass sich die Bienen einfliegen.

              gruss bf


                Abyssus abyssum invocat
              • Hallo Bf,
                das lässt sich einrichten und wird so dann umgesetzt. Die Gründe sind mir zwar nicht ganz schlüssig da sich bei mir garantiert keine an den alten Platz verirrt, aber wenn April (oder nach Witterung beginn der Flugzeit) angebracht ist, ist das kein Problem.
                Danke für die Infos die aus einer längeren Erfahrung als ich sie habe resultieren.
                Gruß
                Hardy
                • :-)
                  Ich wiederhole mich auch: die einzige Gefahr, die vom Umsetzen im Winter ausgeht, ist das Verklammen von Bienen, die aus der Wintertraube fallen und nicht wieder hoch kommen.

                  Ansonsten gibt es zwei "Gefahren":
                  1. Bienen, die am alten Platz auftauchen und da sterben müssen, wenn keine Beute mehr da ist.
                  das kannst Du natürlich nur beobachten, wenn Du auf kurze Distanz verstellst.

                  2. Bienen, die den Stock verlassen und nicht wieder nach hause finden, weil alt und krank oder los geflogen, weil sie davon ausgingen, dass sie nach hause finden und den Umzug verschlafen haben. Gibt es die?


                  • Ja genau, Gunnar,

                    unter anderem ist aus diesen drei von dir aufgezeigten Gründen ein Umstellen im Winter nicht
                    zu empfehlen.
                    Darüber hinaus gibt es weitere Gründe, die gegen ein Versetzen im Winter sprechen, ich denke
                    z. B. an Ruhr!

                    gruss bf
                      Abyssus abyssum invocat
                    • Hallo,
                      erst einmal danke für den sehr hilfreichen Beitrag zum umstellen.
                      Ich habe aktuell zwei Bienenkisten nebeneinander, die ich ca. 30m verstellen will/muss.
                      Da ich natürlich möchte, dass meine Bienen das Umstellen möglichst gut verkraften, wollte ich so einen Flugkanal bauen. Allerdings frage ich mich, ob den Bienen drinnen nicht zu heiß wird, da jetzt nur noch ein kleines Loch zur Belüftung vorhanden ist?
                      Viele Grüße
                      Mathias
                      • Hallo Mathias,
                        das Flugloch ist nicht zu klein. du kannst es aber auch gerne etwas größer machen, als auf dem
                        Foto. Diesen Fluglockkanal hat Woidschratzl auf die Schnelle gebaut und machte damit sehr gute
                        Erfahrungen.

                        Die zugehörige Beiträge findest du unter folgendem Faden:
                        http://www.mellifera-netzwerk.de/forum/thread/3928/bienenkiste-fast-von-baum-erschlagen#dis-post-24329

                        Wünsche dir gutes Gelingen
                        bf
                          Abyssus abyssum invocat
                        • Gut dann werde ich mich demnächst mal an so einen Kanal machen und werde dann unter meiner Stockkarte darüber berichten. Bin auf jeden Fall richtig froh deine Anleitung gefunden zu haben smiley.
                          • Du scheinst gerne zu basteln. Wie eingangs beschrieben geht es ja auch ohne Fluglochumleitung.
                            Der Fluglochkanal ist eine Alternative, gewiss aber eine sichere.

                            gruss bf
                              Abyssus abyssum invocat
                            • Hallo,
                              die beschriebenen Methoden klingen super, vielen Dank dafür.

                              Das mit den Kreisen scheint mir auch durchaus einleuchtend, aber ist dies nur für eher kurze Distanzen, oder etwa auch für mittlere geeignet?

                              Ich plane meine Bienen hier im Ort umzuziehen, also 2 Beuten ca. 1 - 3 km, eventuell 2 weitere sogar 4- 5 km, wäre da diese Methode möglich, oder komme ich nicht drumherum den 6 km Radius für einen Monat zu verlassen?

                              Grüße mayBee
                              • hallo mayBee

                                Das Umsetzen funktioniert bereits problemlos bei einem Standortwechsel ab 3-4 km.
                                Bei dieser Entfernung fliegen sich die Bienen ohne jede Bastelei am neuen Standort ein und kehren nicht an ihren alten Standort zurück.
                                Unter 3 km fliegen die Flugbienen i. d. R. zurück an den alten Platz und du musst mit Verlusten rechnen. Du solltest in diesem Falle Vorsorge treffen.

                                gruß bf
                                [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 1 Jahr, 2 Monaten geändert.]
                                  Abyssus abyssum invocat
                                • Super, vielen Dank für die schnelle Antwort!
                                  Dann werd' ich wohl zweimal basteln und zweimal einfach nur umsetzen, ist auf jeden Fall stressfreier als mehr Hin- & Hergefahre als notwendig (für mich und die Bienchen).

                                  Grüße, mayBee