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  • Im Folgenden ist mir ein wenig die Hutschnur gerissen... deswegen möchte ich vorausschicken, dass mir durchaus bewusst ist, dass viele nicht so sind, denken und handeln, wie ich unten schreibe. Ich unterstelle das trotz der Zitate auch niemandem, der hier postet. Es geht mir mehr um das (mein) Gesamtbild, in das die Aussagen (leider) passen...



    Fast war ich schon soweit, meine Skepsis ein wenig beiseite zu schieben und in den "Lobgesang" der Toleranzzucht einzustimmen. Dank der letzten Beiträge ist dies aber nicht passiert. Man muss sich das ja mal auf der Zunge zergehen lassen...

    "Dies würde dann aber eben dem wesensgemäßen Halten von Bienen nach meiner Auffassung widersprechen, da sie somit nicht die Möglichkeit haben eine regional angepasste Rasse zu schaffen, die sich aus mehreren vor Ort vorhandenen Rassen zusammensetzt. "

    "Der einzig negative Geschmack dabei ist das es eine reine Carnica Zucht ist und somit es anderen Rassen verwehrt wird hier wieder heimisch zu werden (dunkle Biene).

    Einem Mix aus z.B. Carnica und Mellifera wäre sicherlich wünschenswert, da sich damit neue und alte Rasse vermischen würden. Allerdings sollen laut älteren Quellen diese dann sehr stechlustigsein. "

    "Bei Auftreten eines stechlustigen Volkes stellt sich dann nur folgende Frage:
    Akzeptiere ich und evtl. meine Nachbarn dies?"


    Wenn man das so liest - und es passt ja gut zum oben verlinkten Bericht - dann kommt man nicht umhin zu denken, dass Bienen ja ganz schön problematische Zeitgenossen sind. Wir müssen noch viel an ihnen arbeiten, um sie von ihren Problemen zu erlösen und ihnen helfen, endlich so zu sein, wie wir sie haben wollen (sicher wollen sie das auch). Viel leisten müssen sie und auch dauerhaft robust und gesund sein, aber bitte ohne zu stechen.

    Ist denn schon irgendwer auf die Idee gekommen, dass die Bienen nicht das Problem sind sondern vielleicht wir? Ich meine nicht so in der Art "Ja, die Welt ist böse, aber es ist halt so, seien wir froh dass wir die Forschung haben, die wirds schon richten." Warum ist man eigentlich so überzeugt, dass "die Opfer" unserer Lebensweise auch noch weiter traktiert werden müssen, damit sie wieder unseren Anforderungen genügen? In diesem Zusammenhang würde mich auch mal interessieren, wie steht es um das Verhältnis der Fördermittel und Verordnungen, die zur Verfügung gestellt und erlassen werden für Zucht und Forschung im Vergleich zu Renaturierung und Erhalt von Lebensräumen, beispielsweise. Und warum wird eigentlich immer ausgeblendet, dass vieles ja mal funktioniert hat, und zwar solange, bis wir es zerstört haben. Es wird zwar erwähnt, ja, aber Konsequenzen werden nicht gezogen.

    Es scheint, als würden wir unsere Fähigkeiten nur dazu nutzen, Probleme notdürftig zu kitten, die wir ohne sie gar nicht hätten. Und reden uns ein, dieses Vorgehen wäre alternativlos.
    • Hallo Klaus,

      Ist die Überlebenschance eines Volkes ohne Behandlung wirklich so unwahrscheinlich wie "ein Sechser im Lotto"?

      Für Dich, mich und die meisten Imker in Europa leider ja.

      Wir wissen nicht, wie und wo dieser amerikanische Imker seine Bienen hält. In Amerika gibt es mehrere
      Personen, die ohne Behandlung arbeiten. Diese halten ihre Bienen extrem isoliert.

      bf
        Abyssus abyssum invocat
      • Der Autor ist aus Wales, auf einem seiner Videos fahren schon mal Autos hinter der Werkstatt vorbei. Daran dürfte es eher nicht liegen.
        • übrigens: ein interessanter wissenschaftlicher Artikel mit Grafiken:
          http://www.ask-force.org/web/Bees/Neumann-Honey-Bee-Colony-Losses-2010.pdf
          dieser betont eher schon, dass die Varroa-Milbe wahrscheinlich sehr entscheidend ist, insbesonders weil sie weitere Krankheiten fördern kann. Meine grundsätzliche Frage wird dadurch aber nicht beantwortet, ob eine Nichtbehandlung nicht eine frühere Varroa-Toleranz bei den Bienen bringen könnte. Und ob eine Behandlung nicht eine Züchtung von behandlungs-resistenten Varroa-Milben darstellt. Hm... Antwort hab ich keine, nur Fragen...
          • fabio schrieb am 28.08.2014, 00:28
            [i]

            Wenn man das so liest - und es passt ja gut zum oben verlinkten Bericht - dann kommt man nicht umhin zu denken, dass Bienen ja ganz schön problematische Zeitgenossen sind. Wir müssen noch viel an ihnen arbeiten, um sie von ihren Problemen zu erlösen und ihnen helfen, endlich so zu sein, wie wir sie haben wollen (sicher wollen sie das auch). Viel leisten müssen sie und auch dauerhaft robust und gesund sein, aber bitte ohne zu stechen.

            Ist denn schon irgendwer auf die Idee gekommen, dass die Bienen nicht das Problem sind sondern vielleicht wir? Ich meine nicht so in der Art "Ja, die Welt ist böse, aber es ist halt so, seien wir froh dass wir die Forschung haben, die wirds schon richten." Warum ist man eigentlich so überzeugt, dass "die Opfer" unserer Lebensweise auch noch weiter traktiert werden müssen, damit sie wieder unseren Anforderungen genügen? In diesem Zusammenhang würde mich auch mal interessieren, wie steht es um das Verhältnis der Fördermittel und Verordnungen, die zur Verfügung gestellt und erlassen werden für Zucht und Forschung im Vergleich zu Renaturierung und Erhalt von Lebensräumen, beispielsweise. Und warum wird eigentlich immer ausgeblendet, dass vieles ja mal funktioniert hat, und zwar solange, bis wir es zerstört haben. Es wird zwar erwähnt, ja, aber Konsequenzen werden nicht gezogen.

            Es scheint, als würden wir unsere Fähigkeiten nur dazu nutzen, Probleme notdürftig zu kitten, die wir ohne sie gar nicht hätten. Und reden uns ein, dieses Vorgehen wäre alternativlos.


            Hallo Fabio,
            Alles richtig und zutreffen, was du schreibst und du fragst dich, warum, warum, warum.......????
            Wirf einen Blick darauf, wer an all diesen Dingen ein besonderes Eigeninteresse hat, wer davon profitiert,
            wessen Geld und Macht sich mehrt. Dann findest Du Antworten.

            Es sind tausende Arten bereits der menschlichen Gier zum Opfer gefallen, und es ist eine irrige
            Auffassung anzunehmen, die Bienen würden noch nicht zu den ausgerotteten Arten zählen.
            Die Carnica gehört bereits zur ausgelöschten Rasse in Europa. Sie ist nur noch da, weil wir einen riesen Aufwand betreiben, dieses eine Insekt zu behalten. Keine andere Art, ob Tier oder
            Pflanze genießt eine solche Aufmerksamkeit und Vorrangstellung wie die Honigbiene. Und es ist leider
            in verantwortlichen Kreisen keine Einsicht vorhanden, diesem einen Wesen den für seinen Lebensraum und
            Lebenserhalt gebotenen Schutz zu gewähren und zu stärken.

            bf
              Abyssus abyssum invocat
            • hier hingegen ein wissenschaflicher Artikel zu meiner Frage (grad gefunden):
              Die Sterblichkeit der Völker mit varroaüberlebenden Bienen (VSB) schwankte in der Zeit zwischen 1999 und 2005 zwischen 9,7 % und 16,8 % pro Jahr. Fünf der 12 Originalvölker überlebten mehr als 11 Jahre ohne Behandlung, die Überlebensdauer in dieser Gruppe betrug im Schnitt 9,8 ± 0,7 (Mittelwert und Standardabweichung) je nach Jahr, und wir fanden keine signifikanten Unterschiede zwischen der Sterblichkeit der VSB (12,46 ± 0,92) und der behandelten Kontrollvölker (9,57 ± 1,59). Die Schwarmtätigkeit war in den verschiedenen Jahren sehr variabel (Mittelwert und Standardabweichung: 41,50 ± 9,94 %) und konnte das unterschiedliche Überleben der Völker nicht erklären. Die Honigproduktion der gegen Varroa behandelten Kontrollgruppe war gegenüber den VSB Völkern um einen Faktor von 1,7 signifikant erhöht.

              http://link.springer.com/article/10.1051/apido:2007040

              eine Gegenteilige Schlussfolgerung findet sich hier:

              http://www.apidologie.org/index.php?option=com_article&access=standard&Itemid=129&url=/articles/apido/full_html/2010/03/m09176/m09176.html

              Allerdings wird auch hier der Varroa-Milbe nur EINE Rolle in den Völkerverlusten attestiert. Es werfen sich bei mir hingegen noch neue Fragen auf: Warum sind die Völkerverluste weiterhin so hoch, wo doch anscheinend im Regelfall nunmehr behandelt wird? In anderen Worten: die Varroa-Milbe gibt es nun hier schon länger, verschiendene Behandlungsweisen auch. Es müßten dann doch die Völkersterblichkeit massiv zurückgehen, oder?

              Fragen über Fragen...
              • Hallo Klaus,
                Es ist doch so: Die Biene ist NICHT auf die Varroa angewiesen. Sie kann ohne Varroa überleben.
                Die Varroa hingegen ist auf Bienen angewiesen und kann ohne diese NICHT überleben.

                Leider geht die Varroa mit der Biene eine todbringende Symbiose ein, die für beide Arten in der
                Endkonsequenz das Aus bedeutet.

                Aufgrund der Tatsche, dass die Bienen ohne Varroa lebten und weiterhin leben könnten bin ich der Meinung, die Wissenschaft sollte den Fokus stärker auf die Erforschung der Varroa und ihrer Bekämpfung legen statt auf Varroatoleranz auf Seiten der Bienen.

                Dann könnten wir (unsere Wissenschaft) uns das ganze Zuchtgefummel und die daraus möglicherweise
                noch ungeahnten Folgen ersparen. [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 9 Monaten geändert.]
                  Abyssus abyssum invocat
                • bienenflug schrieb am 28.08.2014, 01:23

                  Hallo Fabio,
                  Alles richtig und zutreffen, was du schreibst und du fragst dich, warum, warum, warum.......????
                  Wirf einen Blick darauf, wer an all diesen Dingen ein besonderes Eigeninteresse hat, wer davon profitiert,
                  wessen Geld und Macht sich mehrt. Dann findest Du Antworten.

                  Es sind tausende Arten bereits der menschlichen Gier zum Opfer gefallen, [...]

                  Du hast ja recht. Es war auch was mich angeht mehr ein rhetorisches "Warum?" Leider scheinen sich viel zu wenig Menschen diese Fragen überhaupt ernsthaft zu stellen. Denn wenn man es täte, bleibt ja eigentlich nur der Schluss, dass wir hauptsächlich etwas mit uns tun müssen, nicht mit den Bienen. Aber es ist hier, wie überall: Der, der das Problem hat, wird zur Ursache des Problems erklärt. Ganz so, wie es nicht selten ist, dass z.B. auffällige Kinder zum Therapeuten geschickt werden, die Eltern aber nicht. Insofern nehme ich auch meinen ursprünglichen Vorwurf der Pfuscherei wieder auf. Denn nichts anderes ist es, wenn man ein Problem am falschen Ende anpackt, egal wie toll die Methoden auch sein mögen.

                  Gruß,
                  Fabio
                  • fabio schrieb am 28.08.2014, 00:28
                    Im Folgenden ist mir ein wenig die Hutschnur gerissen... deswegen möchte ich vorausschicken, dass mir durchaus bewusst ist, dass viele nicht so sind, denken und handeln, wie ich unten schreibe. Ich unterstelle das trotz der Zitate auch niemandem, der hier postet. Es geht mir mehr um das (mein) Gesamtbild, in das die Aussagen (leider) passen...


                    Fast war ich schon soweit, meine Skepsis ein wenig beiseite zu schieben und in den "Lobgesang" der Toleranzzucht einzustimmen. Dank der letzten Beiträge ist dies aber nicht passiert. Man muss sich das ja mal auf der Zunge zergehen lassen...

                    "Dies würde dann aber eben dem wesensgemäßen Halten von Bienen nach meiner Auffassung widersprechen, da sie somit nicht die Möglichkeit haben eine regional angepasste Rasse zu schaffen, die sich aus mehreren vor Ort vorhandenen Rassen zusammensetzt. "

                    "Der einzig negative Geschmack dabei ist das es eine reine Carnica Zucht ist und somit es anderen Rassen verwehrt wird hier wieder heimisch zu werden (dunkle Biene).

                    Einem Mix aus z.B. Carnica und Mellifera wäre sicherlich wünschenswert, da sich damit neue und alte Rasse vermischen würden. Allerdings sollen laut älteren Quellen diese dann sehr stechlustigsein. "

                    "Bei Auftreten eines stechlustigen Volkes stellt sich dann nur folgende Frage:
                    Akzeptiere ich und evtl. meine Nachbarn dies?"


                    Wenn man das so liest - und es passt ja gut zum oben verlinkten Bericht - dann kommt man nicht umhin zu denken, dass Bienen ja ganz schön problematische Zeitgenossen sind. Wir müssen noch viel an ihnen arbeiten, um sie von ihren Problemen zu erlösen und ihnen helfen, endlich so zu sein, wie wir sie haben wollen (sicher wollen sie das auch). Viel leisten müssen sie und auch dauerhaft robust und gesund sein, aber bitte ohne zu stechen.

                    Ist denn schon irgendwer auf die Idee gekommen, dass die Bienen nicht das Problem sind sondern vielleicht wir? Ich meine nicht so in der Art "Ja, die Welt ist böse, aber es ist halt so, seien wir froh dass wir die Forschung haben, die wirds schon richten." Warum ist man eigentlich so überzeugt, dass "die Opfer" unserer Lebensweise auch noch weiter traktiert werden müssen, damit sie wieder unseren Anforderungen genügen? In diesem Zusammenhang würde mich auch mal interessieren, wie steht es um das Verhältnis der Fördermittel und Verordnungen, die zur Verfügung gestellt und erlassen werden für Zucht und Forschung im Vergleich zu Renaturierung und Erhalt von Lebensräumen, beispielsweise. Und warum wird eigentlich immer ausgeblendet, dass vieles ja mal funktioniert hat, und zwar solange, bis wir es zerstört haben. Es wird zwar erwähnt, ja, aber Konsequenzen werden nicht gezogen.

                    Es scheint, als würden wir unsere Fähigkeiten nur dazu nutzen, Probleme notdürftig zu kitten, die wir ohne sie gar nicht hätten. Und reden uns ein, dieses Vorgehen wäre alternativlos.

                    Da du mich so schön zitierst werde ich dazu auch gleich antworten smiley

                    Meiner Meinung nach sollten z.B. Belegstellen abgeschafft werden und die Bienen sich paaren mit dem was vor Ort vorhanden ist ohne das Rasseherkunft eine Rolle spielt. Auf diese Art und Weise hätte man am ehesten eine regional angepasste Biene.
                    Das kommt Imkern und auch Bienen zugute weil es die Vitalität stärkt.

                    Die Toleranzzucht von nur Carnica würde Imker dazu bringen nur noch diese Rasse zu nutzen und damit die anderen Rassen zu verdrängen. Wäre also fast dasselbe wie zu NS Zeiten als die dunkle Biene aus ideologischen Gründen durch die nicht hier heimische Carnica ersetzt wurde.

                    Womit wieder eine durch Menschen verursachte Verarmung der genetischen Vielfalt erfolgt.

                    Wenn jetzt dadurch stechlustigere Völker entstehen ist das erstmal auch kein Problem für Imker auf dem Lande, eine Bienenkiste in der Stadt halten stelle ich mir dann aber sehr problematisch vor.

                    Unsere Bienen würde ich jetzt nicht als Stecher bezeichnen, aber wir werden auch gerne mal 50-100 M zum Auto verfolgt, wenn sie einen schlechten Tag haben.

                    Der Mensch macht hier einfach das was er immer macht, seine Umgebung ihm anpassen. Umkehrschluss dessen wäre den Menschen aus von Bienen bevölkerten Landstrichen zu entfernen wink
                    • Hi,

                      da scheinen wir weitgehend einer Meinung zu sein.

                      Phacops schrieb am 28.08.2014, 08:55

                      Der Mensch macht hier einfach das was er immer macht, seine Umgebung ihm anpassen. Umkehrschluss dessen wäre den Menschen aus von Bienen bevölkerten Landstrichen zu entfernen wink

                      Ich fürchte, wenn kein radikales Umdenken stattfindet, wird der Mensch sich tatsächlich aus der Lanschaft entfernen. Aber erst, nachdem er die Bienen und noch so einiges anderes entfernt hat. Und alles, was "uns" einfällt ist ein weiter so.

                      Grüße,
                      Fabio
                      • Hallo Fabio

                        Leider scheinen sich viel zu wenig Menschen diese Fragen überhaupt ernsthaft zu stellen. Denn wenn man es täte, bleibt ja eigentlich nur der Schluss, dass wir hauptsächlich etwas mit uns tun müssen, nicht mit den Bienen. Aber es ist hier, wie überall: Der, der das Problem hat, wird zur Ursache des Problems erklärt.

                        Das bringt die Diskussion nun auf den Punkt.

                        Um unsere Gesellschaft in eine unmündige, wehrlose, feige und duldsame Masse, in die sogenannten
                        "Verbraucher" zu führen, entdeckten die Machthaber in unserer Neuzeit für ihre Zwecke das Gesetz!

                        Wo keine Gesetze waren, wurden sie gemacht (erfunden), wo sie nicht reichen, werden sie ergänzt oder
                        korrigiert, wo Verbote im Wege sind, werden diese umgewandelt in Erlaubnisse.

                        Das was heute an Zerstörung der Ökosysteme und des darin befindlichen Lebens geschieht, erfolgt in
                        hohem Maße legitim, aufgrund erlassener Gesetze und staatlicher Genehmigungen. Kein Bürger
                        hat das Recht, einem anderen die Zerstörung eines wie auch immer gearteten Ökosystems zu erlauben.
                        Das haben sich die modernen Regierungen als Monopol eingeräumt und niemand stellt dies in Frage.
                        Das Erwünschte erfolgt mittels geltende Recht und Gesetz und damit (vermeintlich, verlogen) richtig!

                        Was erlaubt ist, wird getan, ohne das Tun zu hinterfragen, Dies führt sehenden Auges zu einem immer schnelleren, ausufernden Auslöschen der Arten. Die Bienen als eine viele Millionen Jahre alte Tierart kann und wird sich dieser veränderten, verarmten, vergifteten, lauten, verstrahlten Umwelt nicht anpassen. Sie
                        wird zugrunde gehen und verschwinden, auch wenn die jetzt lebenden Generationen dies unter Umständen
                        nicht erleben (weil künstlich am Leben erhalten).

                        Die Umgestaltung der Gesellschaften von Agrar- in Industrienationen benennt die daraus entstehenden
                        für alle lebensbedrohlichen Folgen schlicht und ergreifend als Kollateralschäden.

                        Ergo: Halten wir doch unsere Bienen auf unsere Weise noch so lange, wie es uns rechtlich und praktisch
                        möglich ist und erfreuen uns an ihnen, so lange es geht.

                        bf
                          Abyssus abyssum invocat
                        • Bienen in Asien bis Russland leben seit ewigen Zeiten mit der Varroa, ohne Behandlung. Ein Parasit - wie die Varroa - ist nicht darauf aus, seinen Wirt zu töten, das würde nämlich sein eigenes Ende bedeuten.
                          Dass unsere Bienen durch die konventionelle Haltungsweise der letzten 100 Jahre so geschwächt sind, dass sie an einer Varroainfektion (und den daraus resultierenden Begleitinfektionen) eingehen, ist nicht die Schuld oder Absicht der Varroa.

                          Hätte man, als die Varroa bei uns eingeschleppt wurde, nicht behandelt, wären vermutlich auf längere Zeit bis zu 90% der Bienenvölker eingegangen. Das konnte ein Imker, vor allem wenn er von seinem Honig lebt, natürlich nicht akzeptieren. Also wurden Methoden der Varroabekämpfung entwickelt, die den Bienen so wenig wie möglich ebenfalls schadeten, s. Drohnenbrutschneiden und Säurebehandlungen.

                          Hätte man damals auf den Kampf gegen die Varroa verzichtet und den langjährigen Verlust der meisten Völker in Kauf genommen, hätten wir heute vermutlich bereits eine varroatolerante Biene. Wobei die krankmachende Haltungsmethode der konventionellen Imkerei die Sache sicher erheblich verlangsamt wenn nicht evtl. sogar auf Dauer ganz verhindert hätte.

                          Heute wissen wir, dass auch unter unseren Bienen Individuen sind (zunächst nur von Carnica), die über das Gen verfügen, infizierte Brut zu erkennen und auszuräumen. Eine Koexistenz mit der Milbe wäre also möglich.

                          Da die meisten Bienenvölker aber in konventioneller Haltung leben, muss die Entwicklung hin zur Varroatoleranz durch das Einbringen gezüchteter toleranter Königinnen in die Bienenpopulation erfolgen und kann nicht den Bienen und der Evolution überlassen werden. Der Zug ist abgefahren.

                          Alle grundsätzlichen Diskussionen zur Rücksichtslosigkeit des Menschen der Natur gegenüber können die Zeit leider nicht zurückdrehen. Aber noch haben wir es in der Hand, durch wesensgemäßere Imkerei und gezüchtete Toleranzbienen unsere Fehler der Vergangenheit (Behandlung statt Sterbenalssen der nichttoleranten Völker) zu mildern und so den Bienen bessere Überlebenschancen zu ermöglichen.

                          P.S. Die Varroa ist eine ganz "normale" Milbe, die bestens erforscht ist. Deshalb weiß man auch, was sie umbringt. Da sie aber im Bienenstock wohnt, sind die Möglichkeiten, Arachnizide einzusetzen, sehr beschränkt. Sonst ist die Milbe tot und der Honig als Lebensmittel unverkäuflich. - Ob es Untersuchungen gibt, sterile Männchen zu züchten wie bei anderen Schädlingen, und die Milbe so auszurotten, weiß ich leider nicht. [Hinweis: Jutta50 hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 9 Monaten geändert.]
                            Bienen machen glücklich!
                          • Jutta50 schrieb am 28.08.2014, 18:28
                            Bienen in Asien bis Russland leben seit ewigen Zeiten mit der Varroa, ohne Behandlung.

                            Hallo Jutta, so einfach und logisch, wie Du in Deinem Beitrag die Varroaproblematik bescheibst und
                            Lösungsmöglichkeiten aufzeigst, ist es leider nicht.
                            Die in Teilen Russlands und Teilen Asiens vorkommende Varroa war und ist nicht der Varroastamm, wie
                            wir ihn in Europa haben. Die dort in Symbiose überlebenden Völker gehören
                            a) einer anderen Bienenrasse an als die mellifera
                            b) sind sie von der Varroa jacobsonii befallen.


                            Ein Parasit - wie die Varroa - ist nicht darauf aus, seinen Wirt zu töten, das würde nämlich sein eigenes Ende bedeuten.
                            Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Varroa destructor, die in den gleichen Regionen in einträchtiger Symbiose lebte, ab einem gewissen Zeitpunkt beim Sprung auf die
                            Bienenrasse mellifera zu einer aggressiveren Form mutiert sein könnte. Denn so zahlreich und zerstörerisch
                            war sie nicht immer gewesen, auch nicht auf der in Indien teilweise vorgekommenen mellifera-Biene.

                            Dieses Thema ist jedoch derart komplex, dass man sich dafür sehr viel Zeit nehmen müsste, um an die entsprechenden Informationen zu gelangen, diese auszuwerten sie richtig einzuordnen.

                            Tatsache jedoch ist, dass die Imker in Russland und Asien schon sei vielen Jahren mit den gleichen
                            Problemen leben, wie wir in Europa. (Dies wäre ebenfalls ein eigenes Thema).

                            gruss bf

                              Abyssus abyssum invocat
                            • Hallo bienenflug,

                              du hast Recht, die Zusammenhänge sind sehr komplex. - Die zunehmende Aggressivität unserer Varroa hängt sicher auch mit den verschiedenen Behandlungsmitteln zusammen und der großen Anpassungsfähigkeit eines so verhältnismäßig primitiven Tieres, sprich, wir züchten eine resistente Milbe mit unseren Versuchen, ihrer Herr zu werden. Deshalb ist der erfolgversprechendere Weg, statt die Milbe auszurotten (zu versuchen), die Bienen in die Lage zu versetzen, mit ihr leben zu können.

                              Grüße,
                              Jutta
                                Bienen machen glücklich!