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  • Wir sitzen gerade in unserem Imkerkurs. Die Pro- / Kontraargumente für und gegen die Bienenkiste werden am Rande thematisiert.

    Eine Aussage, die hier gerade auf den Tisch kam: In Hamburg hätte man gerade ein größeres Faulbrutproblem. Die befallenen Beuten sollen vor allem Bienenkisten sein.

    Ein qualifizierten Kommentar dazu würden wir jetzt gerne aktuell loswerden...

    [Hinweis: akasche hat den Beitrag zuletzt am vor 5 Jahren, 11 Monaten geändert.]
      Andreas K. - Bremen - Bienenkistenanfänger 2013
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    • Wir haben hier kein Faulbrut-Problem, sondern eine Lösung wink

      Im letzten Herbst hat ein Bienenkisten-Anfänger bei sich Faulbrut entdeckt und die gesamte Geschichte ist eine schöne Widerlegung sämtlicher kusierender Vorurteile smiley
      Zunächst mal hat der Anfänger die Faulbrut selbst entdeckt, weil er - wie wir empfehlen - eine Futterkranzprobe eingereicht hatte. Frag' mal konventionelle Imker, ob sie das regelmäßig machen?
      Wir haben dann zusammen mit Guido Eich (Fachmann für Faulbrut beim Bieneninstitut Celle) und der Hamburger Veterinärin die weiteren Schritte unternommen. Weil es schon sehr spät im Herbst war, kam eine Sanierung nicht mehr infrage (was ansonsten aber auch in der Bienenkiste problemlos möglich gewesen wäre). Guido Eich, der übrigens ein Befürworter der Bienenkiste ist, hatte außerdem mit Hinweis auf die (ungerechtfertigten) Vorurteile vieler Konventioneller Imker dazu geraten, das Volk schnell abzutöten, damit sich keine Anti-Bienenkisten-Stimmung verbreitet.

      Das Volk sah super aus. Sehr stark, sehr schön. Allen tat es leid, es umbringen zu müssen. Bei der anschließenden Untersuchung fanden sich keine deutlich sichtbaren klinischen Symptome. Das heißt, wäre es ein Magazin-Volk gewesen, hätte man die Faulbrut nicht so früh erkannt. Nur weil der Bienenkisten-Imker sich so vorbildlich verhalten hatte, ist größerer Schaden abgewendet worden.

      Es gibt oft das Vorurteil, dass Völker an Faulbrut erkranken, wenn Imker etwas falsch machen. Lt. Guido Eich ist aber das Gegenteil der Fall: Nur die guten, kräftigen Völker stecken sich mit Faulbrut an, weil sie die ersten sind, die ein anderes, an Faulbrut zusammenbrechendes Volk ausräubern und sich so die Sporen holen.

      Wir haben dann später noch das Muttervolk, von dem der Schwarm stammte beprobt und alle weiteren Bienenkisten im Umkreis. Alle waren faulbrutfrei und den Völkern wurde ein sehr guter Zustand von der Veterinärin attestiert.

      Es muss daher einen weiteren unerkannten Faulbrutfall im Flugradius der Bienenkiste gegeben haben. Es wurde auch ein aufgelassener Magazin-Bienenstand in der Nähe entdeckt, der starke Faulbrut-Symptome gezeigt hat. Leider konnte das aus Grüünden des zeitlichen Ablaufs nicht der Primärherd gewesen sein. Es muss noch einen weiteren Zwischenwirt gegeben haben, der obwohl alle bekannten Völker beprobt worden sind, nicht gefunden werden konnte. Es könnte u.U. sein, dass das ein Wanderimker war.

      In diesen Wochen werden noch mal alle Völker im Sperrbezirk beprobt in der Hoffnung, den Sperrbezirk anschließend wieder aufheben zu können.

      Fazit:
      Das was Du gehört hast, enthält zwar einen Kern Wahrheit (Faulbrut,Bienenkiste), die Art, wie die Geschichte verbreitet worden ist, verkehrt aber die wirklichen Verhältnisse gewissermaßen ins Gegenteil. Die Bienenkiste und der betroffene Anfänger spielen in Wirklichkeit ausschließlich die Rolle des Vorbildes. Wenn alle Imker sich so verantwortungsbewußt verhalten würden, gäbe es weit weniger Faulbrutprobleme.

      Wer noch Fragen dazu hat, kann sich gerne auch direkt an Guido Eich vom LAVES Bieneninstitut wenden.
        Erhard Maria Klein - Hamburg
      • Kannst Du bitte diese Information bitte an die Leute weiter geben, die diese falsche Geschichte verbreiten und sie auffordern, Kontakt mit Guido Eich aufzunehmen?
          Erhard Maria Klein - Hamburg
        • Ist weitergegeben worden ;-)

          Ich bin gespannt wie simpel es mit der Futterkranzprobe bei der Bienenkiste ist. Entscheidend ist halt aufzupassen, völlig unabhängig vom Beutensystem. Wurde hier vom Kursleiter, der nicht unbedingt BK-freundlich ist, auch deutlich gemacht: er denkt nicht, dass die BK besonders anfällig für Faulbrut ist, aber dass die Futterkranzprobe schwierig ist. Ich werde ihn mal einladen wenn es bei mir soweit ist... Wie gesagt, ich bin gespannt wink

          Antwort des kritischen Kursteilnehmerkollegens: Zwei Imker, drei Meinungen.

          ;-)

          P.s.: danke für die schnelle und ausführliche Antwort...
            Andreas K. - Bremen - Bienenkistenanfänger 2013
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          • akasche schrieb am 06.04.2013, 10:47
            ... dass die Futterkranzprobe schwierig ist.

            Schwierig kann ich mir das nicht vorstellen. Hier der BK-Link dazu: Futterkranzprobe

            In der wunderschönen Filmserie "Heathland beekeeping" (Korbimkerei von G. Klindworth -- bei Youtube verfügbar) sieht man wie schnell sowas geht. (Leider weiß ich nicht mehr in welcher Folge das war.)

            -K
              Kevin M. Pfeiffer - Berlin (Mitglied, Imkerverein Kreuzberg e.V.) - Imkerbuch - Stockwaage - Visitenkarte
            • akasche schrieb am 06.04.2013, 10:47
              (...) aber dass die Futterkranzprobe schwierig ist.
              Wenn man den Vergleich zwischen Futterkranzprobe im Magazin und in der Bienenkiste mit der Stoppuhr machen würde, glaube ich kaum, dass das Magazin unterm Strich gewinnen würde. Die Entnahme der Probe mag vielleicht in der Bienenkiste 30 Sekunden länger dauern als beim Magazin, dafür sieht man in der Bienenkiste sofort, wo man die Probe entnehmen kann/will, wogegen man im Magazin sicherlich erst mal ein eine Zarge oder mehrere Zargen abheben und ein paar Waben ziehen muss.
              Wir haben gemeinsam mit den Hamburger Veterinären im letzten Jahr zahlreiche Futterkranzproben in Magazinen, Bienenkisten, Warré-Beuten, Top-Bar-Hives usw. entnommen und machen vorsorgliche Futterkranzproben sowieso regelmäßig. Aus dieser Praxis heraus kann ich nur sagen, dass die o.g. Aussage Unsinn ist. Vermutlich hat der Kursleiter noch nie eine Futterkranzprobe in einer Bienenkiste vorgenommen und spricht über etwas, wo er keine eigenen Erfahrungen hat?

              Ich werde demnächst auf www.bienenkiste.de zu dem Thema noch ausführlichere Informationen veröffentlichen. Einen etwas älteren Erfauhrungsbericht gibt es übrigens hier: http://www.bienenkiste.de/rat/blog/blog.42/index.html
                Erhard Maria Klein - Hamburg
              • Genau! Er sagte, dass er noch nie jemanden persönlich getroffen hat, der eine Futterkranzprobe in der BK vorgenommen hat.

                Er will aber gerne mal vorbeikommen, wenn es dann bei mir soweit ist. Dazu muss dann erst mal das erste Volk her ;-)
                  Andreas K. - Bremen - Bienenkistenanfänger 2013
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                • akasche schrieb am 06.04.2013, 12:51
                  Genau! Er sagte, dass er noch nie jemanden persönlich getroffen hat, der eine Futterkranzprobe in der BK vorgenommen hat.
                  gut, wenn man trotzdem zu allem eine Meinung hat und die laut und deutlich sagt wink
                    Erhard Maria Klein - Hamburg
                  • akasche schrieb am 06.04.2013, 12:51
                    Er sagte, dass er noch nie jemanden persönlich getroffen hat, der eine Futterkranzprobe in der BK vorgenommen hat.

                    Dann gerne mich treffen. Ich werde diese Woche wieder diverse Futterkranzproben nehmen, auch aus Bienenkisten.
                    Hier das Video der Futterkranzprobe aus der Faulbrut-infizierten BK.

                    https://vimeo.com/49450895

                    Gruß, Gunnar